19 January 2026, 02:25

Drei Jahre nach Völkermord-Anerkennung: Jesiden in Deutschland fühlen sich verraten

Ein detailliertes altes Stadtplan von Karte, Deutschland, der Straßen, Gebäude und Sehenswürdigkeiten zeigt, mit begleitendem Text, der Informationen über die Bevölkerung, Straßen und Sehenswürdigkeiten liefert.

Zentralrat der Jesiden kritisiert fehlende Konsequenzen aus Genozid-Anerkennung - Drei Jahre nach Völkermord-Anerkennung: Jesiden in Deutschland fühlen sich verraten

Drei Jahre, nachdem der Deutsche Bundestag den Völkermord an den Jesiden im Irak offiziell anerkannt hat, sagt die Gemeinschaft, dass sich kaum etwas verändert hat. Trotz Versprechen auf Unterstützung bleiben viele zentrale Maßnahmen unumgesetzt – zur Frustration und ohne echte Hilfe für jesidische Familien in Deutschland. Die größte jesidische Diaspora Europas, rund 250.000 Menschen, sieht sich weiterhin mit Herausforderungen in Bildung, rechtlichem Schutz und kultureller Anerkennung konfrontiert.

2014 überrannte der "Islamische Staat" (IS) die Sinjar-Berge im Norden des Iraks, die historische Heimat der Jesiden. Tausende wurden ermordet, versklavt oder als Kindersoldaten zwangsrekrutiert – Verbrechen, die die UN später als Völkermord einstuften. Der Bundestag erkannte diese Gräueltaten 2023 als Genozid an und gelobte Unterstützung für Überlebende und ihre in Deutschland lebenden Nachkommen.

Doch fast alle Zusagen aus dem Bundestagsbeschluss liegen auf Eis. Ein seit zweieinhalb Jahren anhängiger Antrag für eine jesidische Gedenkstätte ist bis heute nicht beschlossen. Pläne für eine Universitätsprofessur zur Erforschung der jesidischen Religion, Kultur und des Völkermords verzögern sich wegen Streitigkeiten über die Finanzierung zwischen Bund und Ländern. Die Gemeinschaft berichtet zudem von anhaltender Diskriminierung: Jesidische Kinder werden in deutschen Schulen noch immer als "Teufelsanbeter" beschimpft, weil Lehrkräfte über grundlegende Kenntnisse des jesidischen Glaubens nicht verfügen. Gleichzeitig wurde das Versprechen, Abschiebungen von jesidischen Männern und Frauen zu stoppen, bundesweit nicht umgesetzt. Nur Nordrhein-Westfalen hat einen Abschiebestopp verhängt; aus anderen Bundesländern sind keine entsprechenden Schritte dokumentiert. Die Kritik jesidischer Vertreter wird immer lauter. Sie werfen der Politik vor, dass Anerkennung ohne Taten die Überlebenden ohne Gerechtigkeit und konkrete Hilfe zurücklasse.

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Die jesidische Gemeinschaft in Deutschland – die größte Europas – wartet weiterhin auf spürbare Maßnahmen. Die ungelöste Frage der Gedenkstätte, die blockierten akademischen Initiativen und die fortgesetzten Abschiebungen zeigen die Kluft zwischen politischer Symbolik und tatsächlicher Unterstützung. Ohne weitere Schritte droht die Bundestagsresolution von 2023 ein bloßer Akt der Lippenbekenntnisse zu bleiben – statt ein Wandel für die Betroffenen zu bewirken.