Warum Stiefväter in Medien oft nur als Witzfiguren oder Schurken vorkommen
Theo MayerWarum Stiefväter in Medien oft nur als Witzfiguren oder Schurken vorkommen
Stiefväter leiden oft unter ungerechten Klischees in Medien und Kultur. Während Stiefmütter seit langem mit negativen Zerrbildern zu kämpfen haben, werden Stiefväter entweder ignoriert oder auf die Rolle des komischen Nebencharakters reduziert. Doch ihre Rolle ist in Wahrheit weitaus komplexer – und statistisch gesehen müssten sie in traditionellen Familienstrukturen sogar häufiger vorkommen als Stiefmütter.
In heteronormativ geprägten Gesellschaften sind Stiefväter allein aus logischen Gründen häufiger als Stiefmütter. Doch in Geschichten und Erzählungen spiegelt sich das selten wider. Das deutsche Fernsehnetzwerk ZDF machte den Stiefvater in den 1980er-Jahren in der Sitcom Ich heirate eine Familie zur Witzfigur. Die Serie drehte sich um die alleinerziehende Mutter Angi und ihren neuen Ehemann Werner, der als überflüssiger, komischer Fünfter im Bunde dargestellt wurde – statt als bedeutende Figur. Eine vergleichbare Figur eines alleinerziehenden Vaters gab es nicht, was die ungleiche Repräsentation noch verstärkte.
Auch Hollywood hat Väter und Stiefväter oft in düsterem Licht gezeigt. Filme wie The Shining oder The Night of the Hunter zeichneten sie als Schurken, was das Misstrauen gegenüber dieser Rolle weiter schürte. Stiefmütter hingegen bleiben die klassischen Sündenböcke – in Märchen, religiösen Erzählungen und selbst in der Pornografie. Die USA würdigen Stieffamilien mit zwei eigenen Gedenktagen: dem Nationalen Tag der Stieffamilie am 16. September und dem Nationalen Stiefvatertag am dritten Freitag im September. Diese Tage zeigen ein wachsendes Bewusstsein für Patchworkfamilien, doch die kulturelle Darstellung hinkt noch immer hinterher.
Stiefväter bewegen sich in einem Widerspruch: statistisch häufig, aber kulturell an den Rand gedrängt. Zwar gibt es mit den speziellen Aktionstagen Fortschritte, doch die Medien malen sie nach wie vor entweder als böse oder ignorieren sie schlicht. Die Kluft zwischen der realen Rolle und ihrer Darstellung auf der Leinwand bleibt groß.






