Wartezeiten beim Arzt: Warum Fachärzte Patienten zur Weißglut treiben – und Hausärzte kaum
Jonas HofmannEin Drittel der Versicherten unzufrieden mit der Wartezeit auf einen Facharzttermin - Wartezeiten beim Arzt: Warum Fachärzte Patienten zur Weißglut treiben – und Hausärzte kaum
Die Zufriedenheit der Patienten mit Wartezeiten bei Ärzten in Deutschland zeigt eine deutliche Kluft zwischen Haus- und Fachärzten. Während die meisten Menschen Verzögerungen beim Hausarzt akzeptieren, wächst die Frustration über lange Wartezeiten bei Fachärzten. Gleichzeitig steigt die Nachfrage nach digitalen Terminbuchungsmöglichkeiten stark an – mittlerweile halten die Hälfte der Befragten dies für prioritätswichtig.
Eine aktuelle Umfrage offenbart, dass 51 Prozent der Patienten die Wartezeiten beim Hausarzt genau wie erwartet empfinden, weitere 35 Prozent halten sie noch für akzeptabel. Nur 14 Prozent äußern Unzufriedenheit. Bei Fachärzten sieht das Bild anders aus: 30 Prozent der Versicherten bezeichnen die Wartezeiten als zu lang, wobei 25 Prozent länger als einen Monat und 10 Prozent sogar über drei Monate warten müssen.
Die Terminvereinbarung erfolgt bisher meist auf traditionellem Weg. Die Mehrheit der Patienten – 59 Prozent beim Hausarzt und 65 Prozent beim Facharzt – organisiert ihre Besuche persönlich oder telefonisch. Doch digitale Optionen gewinnen an Bedeutung. Inzwischen bewerten die Hälfte der Befragten Online- oder App-basierte Buchungen als sehr wichtig oder wichtig, ein Anstieg gegenüber 31 Prozent im Jahr 2022. Derzeit warten 25 Prozent der Patienten länger als drei Tage auf einen Hausarzttemin, während weitere 25 Prozent ganz ohne Voranmeldung erscheinen.
Als Reaktion darauf hat der GKV-Spitzenverband ein Echtzeit-Onlineportal für Termine vorgeschlagen. Dem Plan zufolge würden Praxen einen festen Anteil ihrer Kapazitäten auf einer unabhängigen Plattform reservieren, die über die Apps der Krankenkassen zugänglich wäre. Das System würde Dienste wie Doctolib ähneln, jedoch von den Kassen selbst betrieben werden. Der Patientenbeauftragte Eugen Brysch geht noch einen Schritt weiter und fordert, dass Arztpraxen mindestens 25 Wochenstunden für telefonische, E-Mail- oder Fax-Erreichbarkeit anbieten. Sein Vorschlag betont besonders die Unterstützung älterer Patienten, die möglicherweise keinen digitalen Zugang haben.
Der Vorstoß für digitale Terminbuchungen kommt zu einer Zeit, in der traditionelle Methoden noch vorherrschen, die Zufriedenheit aber stark variiert. Während die Wartezeiten beim Hausarzt kaum auf Kritik stoßen, bleiben Verzögerungen bei Fachärzten ein zentrales Problem. Falls umgesetzt, könnte die geplattformbasierte Lösung den Zugang der Patienten zur medizinischen Versorgung grundlegend verändern – vorausgesetzt, die Praxen halten sich an die reservierten Terminkontingente und erweitern ihre Erreichbarkeit.






