EU plant umstrittene Lockerung bei Kennzeichnung von GV-Lebensmitteln – Ministerin warnt vor Risiken
Jonas HofmannMinister hält GMO-Entscheidung der EU für falsch - EU plant umstrittene Lockerung bei Kennzeichnung von GV-Lebensmitteln – Ministerin warnt vor Risiken
Die EU plant eine Lockerung ihrer Vorschriften für gentechnisch veränderte (GV) Lebensmittel. Nach den geplanten Änderungen könnten Produkte mit geringfügigen genetischen Veränderungen künftig ohne besondere Zulassung oder klare Kennzeichnung verkauft werden. Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Miriam Staudte hat scharfe Kritik an dem Vorhaben geübt und die Begründung dafür infrage gestellt.
Die Europäische Kommission treibt gemeinsam mit den EU-Mitgliedstaaten und dem Europäischen Parlament eine Reform der Kennzeichnungspflicht für GV-Lebensmittel voran. Das neue System würde Nahrungsmittel mit kleinen genetischen Veränderungen von den üblichen Zulassungs- und Transparenzauflagen befreien. Nur Produkte mit umfangreichen genetischen Eingriffen müssten weiterhin gekennzeichnet werden.
Befürworter argumentieren, dass die Neuregelung die Züchtung neuer Sorten beschleunigen und den Einsatz chemischer Pestizide verringern werde. Doch Staudte warnt, dass der Verzicht auf Kennzeichnungen Verbraucher im Unklaren lassen könnte. Viele Käufer meiden gezielt GV-Produkte – die Änderung könnte ihnen die Möglichkeit nehmen, informierte Entscheidungen zu treffen. Die Ministerin verweist zudem auf weitere Risiken: Sie betont die Gefahr von Kreuzkontaminationen, wenn gentechnisch veränderte Pflanzen im Freiland angebaut werden. Dies könnte die traditionelle Landwirtschaft schädigen und die Sortenvielfalt verringern. Staudte argumentiert, dass die Aufgabe des Vorsorgeprinzips – eines langjährigen EU-Schutzinstruments – unvorhergesehene Folgen für Landwirte und die Umwelt haben könnte.
Die geplanten Regeln stellen eine deutliche Abkehr von der bisherigen europäischen Haltung zu GV-Lebensmitteln dar. Falls sie verabschiedet werden, entfiele die Kennzeichnungspflicht für viele veränderte Produkte, während strengere Kontrollen nur noch bei umfangreichen genetischen Eingriffen gelten würden. Die Debatte dreht sich nun darum, ob die Vorteile für die Züchtung und die Pestizidreduktion die möglichen Nachteile für Landwirte, die biologische Vielfalt und die Verbraucherwahl überwiegen.






