"Deutschland schläft wie Dornröschen": Tunnelbohr-Pionier warnt vor Bürokratie-Kollaps
Luisa Hartmann"Deutschland schläft wie Dornröschen": Tunnelbohr-Pionier warnt vor Bürokratie-Kollaps
Martin Herrenknecht, der 83-jährige Vorstandsvorsitzende der Herrenknecht AG, warnt in drastischen Worten vor Deutschlands Zukunft. Der Chef des weltweiten Marktführers für Tunnelvortriebsmaschinen prangert eine erstickende Bürokratie an, die Fortschritt blockiere. Er zweifelt sogar daran, dass er sein Unternehmen unter den heutigen Bedingungen noch einmal gründen könnte.
Die in Schwanau im Ortenaukreis ansässige Herrenknecht AG beherrscht den globalen Markt für Tunnelbohrmaschinen. Das Unternehmen beschäftigt rund 5.500 Mitarbeiter weltweit und war an Großprojekten wie dem Gotthard-Basistunnel, dem Brenner-Basistunnel und Stuttgart 21 beteiligt. Doch trotz dieses Erfolgs sieht der Firmengründer in den deutschen Regulierungshemmnissen eine wachsende Bedrohung.
Ein Beispiel verdeutlicht das Problem: Ein Logistikzentrum in Baden-Württemberg steckt seit dreieinhalb Jahren in der Planungsphase fest. Zum Vergleich: Ein ähnliches Projekt in Chennai, Indien, erhielt bereits nach drei Monaten die Genehmigung. Herrenknecht beschreibt Deutschland als in einem „Dornröschen-Schlaf“ gefangen – unfähig, effizient voranzukommen.
Doch nicht nur die Bürokratie kritisiert er, sondern auch gesellschaftliche Einstellungen. Die Deutschen nennt er eine „Nation von Weicheiern mit überzogenen Ansprüchen“ und warnt: Ohne dringende Reformen steuere das Land „direkt gegen die Wand“. Seine Frustration spiegelt Sorgen um die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit und eine kulturelle Bequemlichkeit wider.
Herrenknechts Warnungen zielen auf Verzögerungen bei der Infrastruktur und ein Geschäftsumfeld, das er mittlerweile als untragbar empfindet. Der Kontrast zwischen dem globalen Erfolg seines Unternehmens und seiner düsteren Zukunftsprognose für Deutschland ist frappierend. Der Vergleich mit den deutlich schnelleren Genehmigungsverfahren im Ausland unterstreicht die Dimension der bevorstehenden Herausforderungen.






