Wiener Festwochen: Eine buttergefüllte Rebellion gegen Körpernormen
Luisa HartmannWiener Festwochen: Eine buttergefüllte Rebellion gegen Körpernormen
Eine mutige neue Performance feiert bei den Wiener Festwochen in Wien Premiere
The Parable of Acid vereint sieben Darsteller:innen, die sich über herkömmliche Körpernormen hinwegsetzen. Unter der Regie von Rébecca Chaillon erkundet die Produktion Themen wie Fettleibigkeit, Identität und gesellschaftliche Stigmatisierung – eingebettet in ein auffälliges, buttergefülltes Spektakel.
Die dreistündige Inszenierung hatte im Odeon unter Chaillons Leitung Premiere. Die Regisseurin, die sich selbst als „schwarze, dicke, kinderlose, alternde Lesbe“ aus Montreuil, einem Pariser Vorort, beschreibt, ließ sich von den Lebensgeschichten einer Popikone und einer Astrophysikerin inspirieren – beide stammen aus derselben marginalisierten Gegend wie sie.
Auf der Bühne trugen die Performenden buttergelbe Roben und interagierten mit Bergen von Butter: Sie stellten sie her, kletterten darüber und verteilten sie sogar an das Publikum. Julie Teuf, eine der Darstellerinnen, lud die Zuschauer:innen ein, die Butter zu probieren und an einer Verlosung teilzunehmen.
Die Aufführung thematisierte persönliche Kämpfe – von körperlicher Gewalt über Essanfälle bis hin zu zwanghaftem Shoppen. Die Performenden entschuldigten sich für ihre Körper, die sie als „grenzüberschreitend“ bezeichneten, und gestanden ungewöhnliche Essgewohnheiten. Eine Nachstellung von The Biggest Loser zeigte sie, wie sie sich gegenseitig mit Wackelpudding übergossen und auf dem Boden wälzten.
Der Titel La Parabole du Seum trägt mehrere Bedeutungsebenen: „Parabole“ verweist sowohl auf eine Parabel als auch auf eine Satellitenschüssel, während „seum“ ein französischer Slangausdruck für Wut, Frustration und Bitterkeit ist.
Die Performance stellte konventionelle Schönheitsideale und Körpernormen infrage. Butter diente als zentrales Symbol, um Gespräche über Identität und gesellschaftliche Erwartungen anzuregen. Die Zuschauer:innen verließen den Saal nicht nur mit einem geschmacklichen Eindruck der Show, sondern auch mit dem Nachhall ihrer schonungslosen Ehrlichkeit.






