19 June 2026, 00:13

Bayreuther Festspiele: Streit um Wagners Antisemitismus und Michel Friedmans Auftritt

Wer schreit 'Antisemitismus' am lautesten?

Bayreuther Festspiele: Streit um Wagners Antisemitismus und Michel Friedmans Auftritt

Das Bayreuther Festspielhaus steht erneut in der Kritik wegen seines Umgangs mit Richard Wagners Antisemitismus. Aktuelle Diskussionen drehen sich um das Verhältnis des Festivals zu jüdischen Persönlichkeiten und sein historisches Erbe. Schon lange setzt sich die Institution mit diesen Themen auseinander – durch Inszenierungen, Symposien und öffentliche Debatten.

Katharina Wagner, die Festivalleiterin, hat sich in ihrer eigenen Regie der Meistersinger von Nürnberg mit dem Antisemitismus des Komponisten beschäftigt. Zudem veranstaltete das Festival bereits Formate zur Aufarbeitung der Vergangenheit, darunter eine Reihe mit Stephen Fry während des Ring-Zyklus unter der Regie von Frank Castorf. Gedenkveranstaltungen und wissenschaftliche Tagungen zu den Verbindungen des Festspiels zum Nationalsozialismus gehören ebenfalls zu den Bemühungen um eine kritische Auseinandersetzung.

Jüdische Dirigenten wie Daniel Barenboim und Kirill Petrenko haben die musikalische Identität des Festivals maßgeblich geprägt. Dennoch bleiben Spannungen bestehen. Der jüdische Intellektuelle Michel Friedman warf dem Festival vor, es habe sich nicht ernsthaft mit dem Antisemitismus auseinandergesetzt. Eine geplante Veranstaltung mit ihm wurde zunächst abgesagt – Katharina Wagner begründete dies mit Sicherheitsbedenken.

Später entschuldigte sich das Festival bei Friedman, und die Veranstaltung wird nun wie geplant stattfinden. Christian Thielemann, der Musikdirektor des Festivals, erklärte, die Gespräche über die Veranstaltung hätten bereits vor über einem Jahr begonnen, er selbst habe jedoch nie eine verbindliche Zusage gegeben. Kritiker warfen zudem der Süddeutschen Zeitung vor, sie solle sich zunächst mit der eigenen historischen Verstrickung in antisemitische Strukturen befassen, bevor sie über andere urteile.

Das Bayreuther Festspielhaus bleibt damit eine Institution, die sich weiterhin mit ihrem komplexen Erbe konfrontiert sieht. Durch künstlerische und akademische Initiativen versucht es, Wagners Antisemitismus aufzuarbeiten. Die anstehende Veranstaltung mit Michel Friedman zeigt, dass der Dialog zu diesen Themen – wenn auch umstritten – weitergeht.

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