Wie ein Dorf durch Theater zum kulturellen Hotspot wurde
Netzeband hat sich zu einem kulturellen Hotspot gewandelt – dank des Engagements von Schauspieler, Regisseur und Dramatiker Frank Matthus. Seine Vision führte zur Gründung des Theatersommers, eines Sommerfestivals, das dem Dorf neues Leben einhaucht. Mit Open-Air-Aufführungen und einzigartigem Charme zieht das Event heute Besucher aus nah und fern an.
Vor drei Jahrzehnten rief ein Aufruf die Dorfbewohner dazu auf, Puppen aus Alltagsmaterialien zu gestalten – aus Dachlatten, Querbalken und Haushaltsgegenständen. Diese Kreationen brachten Dylan Thomas’ Unter dem Milchwald auf die Bühne und markierten den Beginn des Theatersommers. Jährlich von Mitte Juni bis Ende August wird das Stück unter freiem Himmel aufgeführt.
Der Landschaftsarchitekt Horst Wagenfeld spielte eine zentrale Rolle bei der Erhaltung der Netzebander Dorfkirche und Gaststätte. Zudem formte er das Gelände zu einem grasbewachsenen Amphitheater um – eine natürliche Bühne für die Vorstellungen. Das Wort LLAREGGUB, der fiktive Ortsname aus Thomas’ Werk, prangt in großen weißen Lettern über Netzeband und unterstreicht die Verbindung zum Stück.
Die Ambitionen des Festivals sind groß: Es strebt Kultstatus an, vergleichbar mit Salzburgs Jedermann oder den Oberammergauer Passionsspielen. Zu den Höhepunkten zählen Opernarien des in den USA geborenen Tenors J. Warren Mitchell, die das kulturelle Angebot bereichern. Doch nicht nur die Kunst blüht hier – auch die Natur: In der nahegelegenen Kyritz-Ruppiner Heide leben 79 Vogelarten, darunter 28 gefährdete. Oft empfängt Gesang der Vögel die Besucher, die mit der Bahn anreisen.
Der Theatersommer Netzeband ist längst zum Symbol für Gemeinschaft und Kreativität geworden. Die einzigartige Mischung aus Theater, Musik und Natur fasziniert das Publikum Jahr für Jahr. Sein Erfolg zeigt, wie lokale Initiativen Tradition und Kultur wiederbeleben können.
