Winzige Zikade bedroht deutsche Ernten und spaltet die Agrarpolitik
Ein winziges Insekt bereitet deutschen Landwirten große Probleme. Die Zikade Hyalesthes obsoleta, auch als Schilf-Zikade bekannt, überträgt Pflanzenkrankheiten, die Zuckerrüben und Kartoffeln schädigen. Ohne chemische Pestizide könnten einige Grundnahrungsmittel künftig in Deutschland nicht mehr angebaut werden, warnen Branchenvertreter.
Die Diskussion über den Einsatz von Pestiziden hat an Schärfe gewonnen, seit Notfallzulassungen für verbotene Neonikotinoide zur Routine geworden sind. Landwirte und Politiker streiten nun darüber, wie sich Pflanzenschutz und Umweltschutz in Einklang bringen lassen.
Die Schilf-Zikade hat in modernen Anbausystemen ideale Bedingungen vorgefunden. Weite Monokulturen und enge Fruchtfolgen begünstigen die Ausbreitung des Schädlings. Die adulten Insekten wandern in Rüben-, Kartoffel- und Gemüsefelder ein und übertragen dabei Krankheitserreger, die die Erntequalität mindern.
Landwirte sind auf Pestizide angewiesen, um strenge Qualitätsstandards zu erfüllen und Lieferverträge einzuhalten. Ohne chemischen Schutz könnten die Erträge sinken – mit finanziellen Verlusten als Folge. Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), warnt, dass einige Grundnahrungsmittel aus der deutschen Produktion verschwinden könnten, falls Pestizide weiter eingeschränkt werden.
Neonikotinoide, die einst weit verbreitet gegen die Zikade eingesetzt wurden, sind in der EU wegen ihrer schädlichen Auswirkungen auf Bestäuberinsekten mittlerweile stark reglementiert. Dennoch sind Notfallgenehmigungen für diese Wirkstoffe in Deutschland an der Tagesordnung. Der Bauernverband diskutiert derzeit über den Verlust zugelassener Wirkstoffe in Pflanzenschutzmitteln.
Alternativen gibt es, doch ihre Umsetzung gestaltet sich schwierig. Agroökologische Methoden wie längere Fruchtfolgen oder Mischkulturen könnten den Schädlingsdruck verringern. Doch diese Ansätze passen kaum in das heutige Agrarsystem, das von Effizienz und großflächiger Produktion geprägt ist.
Auch die Politik hat das Thema aufgegriffen. Wenke Dargel, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Linken, wirbt im Wahlkampf für die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt für eine Agrarreform. Unterdessen hält die Debatte über Pestizidzulassungen an – angetrieben durch die zunehmende Bedrohung der deutschen Felder durch die Zikade.
Da sich die Landwirte auf Notfallgenehmigungen für Pestizide stützen müssen, könnten einige Kulturen ohne Änderungen in Deutschland unwirtschaftlich werden. Der Konflikt zwischen landwirtschaftlichen Erfordernissen und Umweltschutz bleibt ungelöst – während politische und wirtschaftliche Interessen die nächsten Schritte bestimmen.






