14 June 2026, 14:06

Wehrpflicht-Comeback: Warum viele junge Männer den Fragebogen ignorieren – und was das bedeutet

"Unfollow Bundeswehr"

Wehrpflicht-Comeback: Warum viele junge Männer den Fragebogen ignorieren – und was das bedeutet

Seit Jahresbeginn müssen alle jungen Männer, die 2008 oder später geboren wurden, einen Fragebogen zur militärischen Erfassung ausfüllen. Bis Anfang Mai hatten jedoch etwa ein Viertel der Betroffenen dies noch nicht getan – und riskieren damit Bußgelder. Die neue Regelung markiert einen Wandel in Deutschlands Umgang mit Wehrpflicht und Rekrutierung.

Die Vorschrift gilt für jeden jungen Mann der betreffenden Altersgruppe. Trotz der Frist haben viele ihre Unterlagen noch nicht eingereicht, was Bedenken hinsichtlich der Umsetzung aufkommen lässt. Die Bundeswehr beschäftigt derzeit knapp 186.000 aktive Soldatinnen und Soldaten und hat damit bereits ihr Mindestziel für 2026 erreicht.

Ein grundlegender Fitnesstest, bekannt als „Eierkornrollgriff“, steht vorerst nur Freiwilligen offen. Kapazitätsgrenzen innerhalb der Streitkräfte schränken eine flächendeckende Einführung ein. Unterdessen haben sich Politikerinnen und Politiker in die Debatte eingeschaltet.

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Heidi Reichinnek, Vorsitzende der Linksfraktion im Bundestag, ruft zum Widerstand gegen das Erfassungsverfahren auf. Sie lehnt eine Militarisierung ab und kritisiert, dass Entscheidungen ohne öffentliche Zustimmung getroffen würden. Ihre Partei hat ein Anti-Wehrpflicht-Festival für junge Menschen organisiert.

Desiree Becker, Mitglied des Verteidigungsausschusses für die Linke, zweifelt daran, dass eine Wehrpflicht die Zahl der aktiven Truppen spürbar erhöhen würde. Justin Klemm, 24 Jahre alt, teilt diese Ansicht und plädiert dafür, lieber in soziale Programme als in militärische Ausgaben zu investieren. Daniel Lücking, Politikberater der Linken und ehemaliger Soldat, war zuvor in Afghanistan im Einsatz, wo er für die Bundeswehr Propaganda material erstellte.

Bodo Ramelow, Vizepräsident des Bundestags, schlägt eine Alternative vor: Er regt an, die Schulpflicht um ein „soziales Jahr“ zu erweitern, in dem Jugendliche etwa im Rettungsdienst, bei der Feuerwehr oder beim Militär mitwirken könnten.

Das militärische Erfassungsverfahren ist zwar in Kraft getreten, doch die Umsetzung bleibt lückenhaft. Politische Opposition stellt die Maßnahme infrage, während Alternativen wie ein sozialer Dienst diskutiert werden. Da die Bundeswehr ihre Personalziele bereits erreicht hat, stellt sich die Frage, ob ein weiterer Ausbau überhaupt notwendig ist.

Quelle