Warum Eltern oft enttäuscht sind – und warum das Geschlecht später egal wird
Jonas HofmannEin Junge? - Warum einige Eltern damit hadern - Warum Eltern oft enttäuscht sind – und warum das Geschlecht später egal wird
Eltern hegen oft große Erwartungen an ihre Kinder – manchmal sogar schon vor der Geburt. Manche träumen von einer Miniaturausgabe ihrer selbst, andere geben offen zu, enttäuscht zu sein, wenn das Geschlecht ihres Kindes nicht ihren Wünschen entspricht. Dieses sogenannte Geschlechter-Enttäuschungsgefühl ist mittlerweile ein anerkanntes Phänomen, das unter dem Hashtag #GenderDisappointment in sozialen Medien die emotionale Reaktion beschreibt.
Schon früh prägen gesellschaftliche Wahrnehmungen, wie Jungen und Mädchen gesehen werden. Mädchen gelten häufig als anpassungsfähiger, fürsorglicher und fleißiger, während Jungen oft als wilder und weniger konzentriert in der Schule gelten. Diese Klischees setzen sich im Bildungssystem fort: Mädchen schneiden im Lesen besser ab und schließen häufiger die Schule mit Abitur ab. Doch Jungen haben nach wie vor leichte Vorteile in Mathematik und erhalten öfter die Diagnose ADHS, während Mädchen häufiger unter Depressionen und Angststörungen leiden.
Trotz ihrer schulischen Erfolge stoßen Mädchen später auf Hindernisse. Lehrer empfehlen sie seltener für anspruchsvolle Bildungswege, und sie brechen die Schule öfter vorzeitig ab als Jungen. Dieser Trend setzt sich in der Hochschulbildung fort, wo Frauen mittlerweile in vielen Fächern die Mehrheit der Studierenden und Absolventinnen stellen. Dennoch bleibt eine hartnäckige gläserne Decke bestehen: Frauen haben nach wie vor Schwierigkeiten, in Führungspositionen aufzusteigen, während Männer die Spitzenpositionen dominieren.
Auch familiäre Verpflichtungen spielen eine Rolle. Frauen übernehmen häufiger die Pflege von Angehörigen mit gesundheitlichen Problemen. Studien zeigen jedoch, dass eine Tochter keine Garantie für elterliche Betreuung im Alter darstellt. Arbeitsplatzkulturen, unbewusste Vorurteile bei Beförderungen und ein Mangel an weiblichen Mentoring-Netzwerken erschweren zusätzlich den beruflichen Aufstieg von Frauen und festigen das Ungleichgewicht.
Anfangs konzentrieren sich manche Eltern stark auf das Geschlecht ihres Kindes und hoffen auf einen Jungen oder ein Mädchen. Doch sobald das Baby da ist, verliert das Geschlecht für die meisten schnell an Bedeutung. Stattdessen rückt das Wohlbefinden und die individuelle Persönlichkeit des Kindes in den Vordergrund.
Die Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen in der Bildung haben sich im Laufe der Zeit verringert, doch tief verwurzelte Herausforderungen bestehen fort. Mädchen glänzen zwar akademisch, stoßen aber auf Hürden bei der Karriereentwicklung und in puncto psychische Gesundheit. Jungen hingegen kämpfen mit Verhaltenserwartungen und Lernunterschieden. Für Eltern verflüchtigen sich die anfänglichen Geschlechterpräferenzen oft – und weichen der Realität, ein Kind großzuziehen, unabhängig davon, ob es ein Sohn oder eine Tochter ist.