Sechs Jahre nach Hanau: Trauer, Zweifel und der Kampf um Gerechtigkeit
Clara HartmannErinnerung an die Opfer von Hanau - Wulff ruft Diversit├Ąt auf - Sechs Jahre nach Hanau: Trauer, Zweifel und der Kampf um Gerechtigkeit
Angehörige und Freunde gedachten am Montag Hamza Kurtović – sechs Jahre nach seinem Tod bei einem rassistischen Anschlag. Bei der Gedenkveranstaltung in Hanau versammelten sich Familie, Gemeinschaftsvertreter sowie der ehemalige Bundespräsident Christian Wulff. Unter den Teilnehmenden waren auch Beate Hofmann, Bischof der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, und Oliver Dainow, Geschäftsführer der Jüdischen Gemeinde Hanau.
Am 19. Februar 2020 hatte ein 43-jähriger Deutscher in Hanau neun Menschen mit Migrationshintergrund erschossen. Vor seinem Suizid tötete er zudem seine Mutter. Der Anschlag hinterließ tiefe Wunden – Familien wie die Kurtovićs fordern bis heute Gerechtigkeit und Aufklärung.
Hamzas Vater, Armin Kurtović, und seine Frau Dijana reichten im November eine Beschwerde beim Bundesverfassungsgericht ein. Sie werfen den Ermittlern vor, die Umstände des Todes ihres Sohnes nicht ausreichend untersucht zu haben. Die Familie kritisiert seit Langem die Behörden, insbesondere wegen eines verschlossenen Notausgangs am zweiten Tatort.
Bei der Gedenkfeier besuchte Wulff gemeinsam mit Armin Kurtović das Grab Hamzas. Der ehemalige Bundespräsident mahnte einen entschlosseneren Einsatz für Vielfalt und Toleranz in Deutschland an. Zugleich prangerte er an, dass Diskriminierung im Land oft ignoriert werde.
Seit dem Anschlag engagieren sich Hinterbliebene wie Serpil Temiz Unvar in Bildungsinitiativen gegen Rassismus. Doch die öffentliche Debatte bleibt schwierig, während der Einfluss rechtsextremer Kräfte wächst. 2023 erzielte die AfD in Hessen ihr bestes Wahlergebnis in Westdeutschland. Betroffene Familien erleben unterdessen weiterhin alltäglichen Rassismus und fragwürdige Reaktionen der Politik.
Der Jahrestag markierte sechs Jahre seit dem Hanauer Anschlag – doch die Fragen der Angehörigen sind unbeantwortet. Der Rechtsstreit der Kurtovićs unterstreicht die anhaltenden Zweifel an den Ermittlungen. Angesichts des erstarkten Rechtsextremismus wird der Ruf nach Konsequenzen und Toleranz immer dringlicher.






