Rücktritt der Missbrauchsbeauftragten: Warum die evangelische Kirche an Reformen scheitert
Jonas Hofmann"Für die Betroffenen ist das einfach zu langsam" - Rücktritt der Missbrauchsbeauftragten: Warum die evangelische Kirche an Reformen scheitert
Nancy Janz, eine zentrale Fürsprecherin für Überlebende sexuellen Missbrauchs innerhalb der evangelischen Kirche in Deutschland, ist von ihrem Amt zurückgetreten. Ihr Rückzug erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem viele Betroffene weiterhin mit zögerlichen Fortschritten bei der Unterstützung und Aufarbeitung kämpfen. Die zersplitterte Struktur der Kirche erschwert es, Reformen einheitlich umzusetzen.
Janz bezeichnete ihre Entscheidung als tiefgreifend persönlich und begründete sie mit dem Bedürfnis, sich auf ihre Gesundheit und Familie zu konzentrieren. Sie betonte, dass ihr Rücktritt keine Unzufriedenheit mit der Arbeit des Gremiums widerspiegle, räumte jedoch ein, wie emotional belastend die Rolle für sie gewesen sei.
Das dezentrale System der Kirche – bestehend aus 19 Landeskirchen und 16 diakonischen Landesverbänden – hat ein "föderales Flickwerk" geschaffen, das Veränderungen verzögert. Betroffene sehen sich oft mit undurchsichtigen Verfahren konfrontiert, während Täter nicht immer zeitnah zur Rechenschaft gezogen werden. Zwar bleibt ein einheitlicher Ansatz für die Unterstützung der Überlebenden das Fernziel, doch hängt dessen Erfolg maßgeblich vom Engagement der Verantwortlichen ab, ihn auch durchzusetzen.
Für viele Betroffene fühlt sich das Tempo der Reformen quälend langsam an. Einige vermissen spürbare Fortschritte, da sich Änderungen in der kirchlichen Bürokratie nur zögerlich bei den Geschädigten niederschlagen. Die Umsetzung der Anerkennungsrichtlinien obliegt nun den regionalen Gremien – doch dies gestaltet sich oft als kraftraubend und uneinheitlich.
Janz hatte wiederholt eine bessere interne Kommunikation der Kirche über Maßnahmen für Überlebende gefordert. Ohne klarere Abstimmung bleibt der Weg zur Gerechtigkeit zwischen den Regionen ungleich.
Mit Janz' Rücktritt entsteht eine Lücke in der Interessenvertretung der Betroffenen, die weiterhin auf Hindernisse bei der Inanspruchnahme von Hilfe stoßen. Die dezentrale Struktur der Kirche erschwert nach wie vor die Durchsetzung einheitlicher Reformen. Künftig wird es darauf ankommen, ob die regionalen Verantwortlichen Veränderungen wirksamer vorantreiben können.






