"Ringel, Ringel, Reihe": Warum das Kinderlied keinen Pest-Bezug hat
Clara Hartmann"Ringel, Ringel, Reihe": Warum das Kinderlied keinen Pest-Bezug hat
„Ringel, Ringel, Reihe“ – ein harmloses Kinderlied mit düsterem Ruf
Das Kinderreimchen „Ringel, Ringel, Reihe“ wird seit langem mit finsteren historischen Ereignissen in Verbindung gebracht. Viele glauben, es beziehe sich auf die Große Pest von London oder den Schwarzen Tod. Doch seine wahren Ursprünge dürften weit weniger unheimlich sein.
Erstmals schriftlich belegt wurde der Reim im Englischen erst 1881 – ein spätes Datum, das Zweifel an der Annahme weckt, er stamme aus dem 14. oder 17. Jahrhundert. Die Theorie, die ihn mit der Pest verknüpft, tauchte sogar erst 1961 auf und stützt sich auf vage Deutungen des Textes.
Einige vermuten, die „Rosen“ stünden für Pestpocken und die „Tüpfel“ (im Original: „posies“) für Schutzkräuter. Doch der Volkskundler Philip Hiscock argumentiert, der Reim gehe vermutlich auf religiöse Spielrunden aus dem 19. Jahrhundert zurück. Andere führen ihn auf ein deutsches Kinderspiel des 18. Jahrhunderts zurück.
Es gibt zahlreiche Varianten des Reims mit unterschiedlichen Strophen. Die vagen, oft sinnfreien Worte erschweren eine klare Deutung. Das dazugehörige Spiel besteht darin, dass Kinder im Kreis tanzen und am Ende hinfallen.
Die meisten Belege deuten darauf hin, dass „Ringel, Ringel, Reihe“ schlicht ein harmloses Kinderlied ist. Die Verbindung zur Pest scheint ein moderner Mythos zu sein. Der verspielte Charakter und die unklare Herkunft des Reims stützen diese Sicht.






