Rechtsextreme Gewerkschaft Zentrum zieht erstmals in VW-Betriebsrat ein
Theo MayerArbeitskreis betritt erstmals einen VW-Betriebsrat - Rechtsextreme Gewerkschaft Zentrum zieht erstmals in VW-Betriebsrat ein
Eine kleine Gewerkschaft mit mutmaßlichen Verbindungen zur rechtsextremen Szene hat erstmals Sitze im Betriebsrat von Volkswagen errungen. Die Gruppe Zentrum, die bei der Wahl im Werk Braunschweig mit einer eigenen Liste antrat, sicherte sich zwei Mandate. Mit 6,49 Prozent der Stimmen zieht die Organisation erstmals in das Gremium des Automobilherstellers ein.
Zentrum wurde 2009 unter dem Namen Zentrum Automobil im Mercedes-Benz-Werk Stuttgart-Untertürkheim gegründet. Die Gewerkschaft, die für ihre umstrittene politische Ausrichtung bekannt ist, steht in Verbindung mit der rechtspopulistischen AfD. Trotz dieser Verknüpfung hätte ihr Stimmenanteil in Braunschweig selbst mit weiteren Kandidaten nicht für zusätzliche Sitze gereicht.
Bei der Wahl entfiel der mit Abstand größte Teil der Stimmen auf die IG Metall, die mit 78,5 Prozent 28 der 35 Sitze errang. Die Christliche Metallarbeiter-Gewerkschaft (CMG) erhielt 15 Prozent und damit fünf Mandate. Die beiden Sitze von Zentrum resultieren aus dem knappen Ergebnis von 6,49 Prozent.
In den vergangenen Jahren hatten sich die Betriebsräte in Volkswagen-Werken wie Wolfsburg und Hannover zunehmend nach links orientiert und stehen damit näher an der IG Metall und den Interessen der Belegschaft. Braunschweig blieb demgegenüber gemäßigter – mit weniger Einfluss linker Strömungen als etwa in den Standorten Emden oder Kassel.
Daniela Nowak, Spitzenkandidatin der IG Metall in Braunschweig, bewertete das Ergebnis trotz aktueller Herausforderungen als positiv. Die Mehrheit der Beschäftigten stehe weiterhin für traditionelle Solidarität und Tarifbindung, betonte sie.
Zentrum stellt nun zwei Vertreter im 35-köpfigen Betriebsrat in Braunschweig. Das Ergebnis markiert eine kleine, aber bemerkenswerte Verschiebung in der Interessenvertretung des Werks. Die IG Metall behält weiterhin die überwiegende Kontrolle, während die Christliche Metallarbeiter-Gewerkschaft als zweitstärkste Kraft präsent bleibt.