Pflegeversicherung am Abgrund: Warum das System kurz vor dem Kollaps steht
Clara HartmannSpitzenverband der Gesundheitspflege fordert Reform: Einige Pflegeheime drohen mit Zahlungsunfähigkeit - Pflegeversicherung am Abgrund: Warum das System kurz vor dem Kollaps steht
Deutschlands Pflegeversicherung steht unter zunehmendem Druck
Das deutsche System der Pflegeversicherung ist stark beansprucht. Steigende Kosten, eine wachsende Zahl pflegebedürftiger Menschen und ein massiver Mangel an Fachkräften haben das System an den Rand des Zusammenbruchs gebracht. Ohne notwendige Reformen könnten mehrere Pflegekassen bis 2027 insolvent werden.
Die Krise hat ihre Ursachen auch in einer Reform aus dem Jahr 2017, die den Anspruch auf Pflegeleistungen erweitert hat. Kritiker bezeichnen sie heute als "viel zu großzügig", da sich die Zahl der als pflegebedürftig eingestuften Personen nahezu verdoppelt hat - von drei auf fast sechs Millionen. Dieser Anstieg hat die Finanzierungslücken weiter aufgerissen und das System mit einem Defizit von etwa 0,3 Beitragspunkten belastet.
Im Dezember 2025 legte eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe ihre jüngsten Reformvorschläge vor. Das Ziel war es, bis 2026 politische Entscheidungen zu finalisieren und einen Gesetzesentwurf zu präsentieren, der noch im selben Jahr verabschiedet werden sollte. Doch Oliver Blatt, Vorstandsvorsitzender des Spitzenverbandes der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV), bezeichnete die Pläne als unzureichend. Er wirft der Arbeitsgruppe vor, die dramatische Lage des Systems nicht erkannt zu haben. Blatt warnt seit Langem, dass die aktuelle Struktur "schlicht nicht mehr tragbar" sei, wenn nicht sofort gehandelt werde. Sein Verband fordert strengere Kriterien bei der Feststellung von Pflegebedürftigkeit und der Zuweisung von Leistungsstufen. Ohne diese Anpassungen, so Blatt, sei die Insolvenz einiger Kassen bis 2027 unausweichlich.
Doch die Probleme beschränken sich nicht auf die Finanzen. Ein Mangel an qualifizierten Pflegekräften verschärft die Situation zusätzlich und lässt viele Bedürftige ohne ausreichende Unterstützung zurück. Die Kombination aus finanziellen Engpässen und Personalmangel gefährdet nun die Stabilität des gesamten Systems.
Die Warnungen von Versicherern und Experten zeichnen ein besorgniserregendes Bild: Wenn die Reformen die Finanzierungslücken und die Regelungen zur Pflegebedürftigkeit nicht angehen, könnten zentrale Teile des Systems bereits in zwei Jahren nicht mehr aufrechterhalten werden. Der Druck auf die Politik wächst, bevor die Krise noch tiefer wird.






