Palforzia wird vom Markt genommen – doch bestehende Patienten behalten Zugang
Theo MayerPalforzia wird vom Markt genommen – doch bestehende Patienten behalten Zugang
Palforzia, das erste zugelassene orale Immuntherapeutikum gegen Erdnussallergien, wird vom Hersteller Stallergenes Greer vom Markt genommen. Die Entscheidung tritt am 31. Juli 2023 in Kraft, doch bestehende Patienten erhalten noch für mehrere Jahre Zugang zu bestimmten Dosierungen. Der Rückzug erfolgt trotz der FDA-Zulassung im Jahr 2020 und laufender Forschung zu ähnlichen Behandlungsmethoden.
Palforzia sollte Kindern und Jugendlichen mit Erdnussallergien durch kontrollierte Exposition helfen, eine Toleranz aufzubauen. Doch der Nutzen der Therapie wurde von Gesundheitsbehörden infrage gestellt. So kam das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) im Februar 2022 zu dem Schluss, dass die Behandlung für Patienten zwischen 4 und 17 Jahren keine echten Vorteile gegenüber einer strikten Erdnussvermeidung biete. Später stellte auch der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) fest, dass trotz statistischer Verbesserungen kein nachgewiesener Zusatznutzen im Vergleich zu einem abwartenden Vorgehen bestehe.
Der Hersteller betont, dass der Rückzug nicht auf Sicherheitsbedenken, Qualitätsmängel oder Wirksamkeitsprobleme zurückzuführen sei. Stattdessen konzentriere sich das Unternehmen darauf, regulatorische Anforderungen zu erfüllen und einen reibungslosen Übergang für aktuelle Anwender zu gewährleisten. Das Starterpack zur Dosissteigerung bleibt bis 31. März 2026 verfügbar, während die Dosiserhöhungsphasen (Stufen 1 bis 11) bis Ende 2026 genutzt werden können. Die 300-mg-Erhaltungsdosis wird bis März 2027 auf dem Markt bleiben, danach werden jedoch keine neuen Verschreibungen mehr ausgestellt.
Seit der Zulassung von Palforzia hat sich die Forschung zu Erdnussallergie-Therapien weiterentwickelt. Neue Ansätze umfassen sublinguale Immuntherapien, epikutane Immuntherapien (wie Viaskin Peanut), modifizierte Erdnussproteine sowie Kombinationstherapien mit Biologika wie monoklonalen Antikörpern. Derzeit laufen mehrere Phase-2- und Phase-3-Studien, um diese Alternativen zu testen – mit dem Ziel, bessere Ergebnisse bei geringeren Nebenwirkungen zu erzielen.
Der Marktrückzug von Palforzia bedeutet, dass das Medikament für neue Patienten nicht mehr verfügbar sein wird, während bestehende Anwender noch zeitlich begrenzt Zugang zu bestimmten Dosierungen behalten. Die Entscheidung folgt Bewertungen deutscher Gesundheitsbehörden, die den Nutzen im Vergleich zu herkömmlichen Vermeidungsstrategien anzweifelten. Gleichzeitig laufen weiterhin klinische Studien, um neuere Therapieoptionen gegen Erdnussallergien zu erforschen.






