27 April 2026, 12:15

Mindestlohn in Sachsen-Anhalt: Erhöhung 2027 droht wegen mangelnder Kontrollen wirkungslos zu bleiben

Ausführliche Stadtplan-Karte von Wageningen, Deutschland, mit Straßen, Gebäuden und Sehenswürdigkeiten mit beschrifteten Text.

Mindestlohn in Sachsen-Anhalt: Erhöhung 2027 droht wegen mangelnder Kontrollen wirkungslos zu bleiben

Die Debatte über faire Löhne und deren Durchsetzung in Sachsen-Anhalt verschärft sich vor der geplanten Erhöhung des Mindestlohns. Derzeit bei 13,90 Euro festgelegt, soll der Satz bis 2027 auf 14,60 Euro steigen. Doch wachsen die Bedenken, wie wirksam diese Regelungen tatsächlich umgesetzt werden – während Kontrollen drastisch zurückgehen und Lohnunterschreitungen weiterhin verbreitet sind.

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Die Prüfungen durch die Finanzkontrolle illegaler Beschäftigung (FKS) sind in den letzten Jahren stark eingebrochen. 2022 führten die Behörden noch 1.598 Betriebsprüfungen durch, doch bis 2025 sank diese Zahl auf nur noch 691. Insgesamt liegt die Kontrolldichte mittlerweile bei gerade einmal 42,4 Prozent des Niveaus von 2022 – viele Unternehmen müssen kaum mit Überprüfungen rechnen.

Bei der aktuellen Kontrollhäufigkeit muss ein durchschnittlicher Betrieb in Sachsen-Anhalt nur alle 90 Jahre mit einer Prüfung rechnen. Noch prekärer ist die Lage in der Landwirtschaft: Hier könnte ein Hof statistisch gesehen erst nach 234 Jahren mit einer Kontrolle konfrontiert werden. Kritiker warnen, dass diese lasche Aufsicht das Risiko unentdeckter Lohnverstöße massiv erhöht.

Besonders problematisch ist die Unterbezahlung in nicht gewerkschaftlich organisierten Betrieben. Während landesweit 23,3 Prozent aller Beschäftigten weniger als 15 Euro pro Stunde verdienen, sind es in Betrieben ohne Tarifbindung sogar 35 Prozent. Der Linken-Abgeordnete David Schliesing spricht von einer "Durchsetzungsblindheit" und macht massive Personalengpässe für den Zusammenbruch der Kontrollen verantwortlich.

Der Rückgang der Überprüfungen fällt mit einem schrumpfenden Wirtschaftsstandort zusammen: Zwischen 2022 und 2025 sank die Zahl der registrierten Unternehmen in Sachsen-Anhalt von 65.738 auf 62.211. Angesichts sinkender Kontrollen und weniger Betrieben bleibt unklar, ob die Mindestlohnerhöhung 2027 überhaupt wirksam überwacht werden kann.

Die geplante Anhebung auf 14,60 Euro im Jahr 2027 wird zwar den gesetzlichen Mindestlohn erhöhen, doch die schwache Durchsetzung lässt die tatsächlichen Auswirkungen fraglich erscheinen. Mit historisch niedrigen Kontrollzahlen und einem beträchtlichen Anteil an Beschäftigten, die weiterhin unter 15 Euro verdienen, klafft eine große Lücke zwischen politischem Anspruch und gelebter Praxis. Der Druck auf das Land wächst nun, die Personalnot zu beheben und die Aufsicht zu stärken, bevor der neue Satz in Kraft tritt.

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