IOC verkauft umstrittenes T-Shirt zu NS-Propaganda-Spielen 1936 in Berlin
Clara HartmannIOC Shop verkauft 'Nazi-Spiele'-T-Shirt in Berlin - IOC verkauft umstrittenes T-Shirt zu NS-Propaganda-Spielen 1936 in Berlin
Das Internationale Olympische Komitee (IOC) verkauft ein T-Shirt mit Motiven der Olympischen Spiele 1936 in Berlin – einer Veranstaltung, die vom NS-Regime massiv für Propagandazwecke instrumentalisiert wurde. Das Design zeigt einen lorbeerbekränzten Torso aus einer Statue von Arno Breker, einem von Hitler geförderten Bildhauer, über dem Berliner Brandenburger Tor. Kritiker bemängeln, dass das Shirt jeglichen historischen Kontext zur umstrittenen Hinterlassenschaft dieser Spiele vermissen lässt. Die Olympischen Spiele 1936 waren ein zentrales Propagandainstrument des NS-Staates. Das Regime nutzte die Veranstaltung, um seine Ideologie zu verbreiten – trotz internationaler Boykottdebatten, darunter intensive Diskussionen in den USA, die sich letztlich für eine Teilnahme entschieden. Jesse Owens' vier Goldmedaillen widerlegten direkt Hitlers Mythos von der 'arischen Überlegenheit' und verkomplizierten die historische Einordnung der Spiele. Das T-Shirt-Design greift auf Skulpturen Arno Brekers zurück, eines Künstlers, der eng mit der NS-Ästhetik verbunden war. Unter dem Statuentorso prangen die Olympischen Ringe über der Quadriga des Brandenburger Tors – ein Symbol, das häufig mit den Spielen 1936 assoziiert wird. Doch der IOC-Online-Shop bietet keinerlei Erläuterungen zu diesen Bezügen oder ihrer politischen Brisanz. Klara Schedlich, Sportpolitikerin der Grünen aus Berlin, nannte das Design 'problematisch', weil es kritischen Kontext ausblende. Sie warnte, dass solche unkommentierten Motive rechtsextreme Gruppen anziehen könnten, die sie ohne Reflexion über die dunkle Vergangenheit übernehmen. Das IOC sah sich bereits früher mit ähnlicher Kritik konfrontiert, etwa 2016 wegen eines weiteren 1936er-Shirts ohne historische Einordnung. Seit 1936 fanden die Olympischen Sommerspiele weder in Berlin noch in Deutschland statt – München war 1972 Austragungsort, während Garmisch-Partenkirchen die Winterspiele 1936 ausrichtete. Stattdessen bleibt das Erbe der 'NS-Spiele' Gegenstand akademischer und medienkritischer Auseinandersetzung, etwa bei einer Konferenz 2023 in Halle zur Kunst im Olympiapark oder in Debatten über die Rolle von Propaganda im Sport. Das IOC-T-Shirt bleibt ohne ergänzende Stellungnahme im Verkauf. Sein Design, verknüpft mit NS-Symbolik, wirft weiterhin Fragen nach einer Geschichtsverharmlosung auf. Der fehlende Kontext lässt Raum für Deutungen, die die politisch belastete Bedeutung der Spiele 1936 ignorieren.






