25 June 2026, 14:07

Hilfsorganisationen fordern radikale Reformen der deutschen Entwicklungspolitik

Hilfsorganisationen kritisieren fehlende Strategie

Hilfsorganisationen fordern radikale Reformen der deutschen Entwicklungspolitik

Zwei große deutsche Hilfsorganisationen haben einen gemeinsamen Bericht veröffentlicht, in dem sie die aktuelle Entwicklungspolitik scharf kritisieren. Welthungerhilfe und Terre des Hommes stellten am Mittwoch ihre jährliche Bestandsaufnahme vor und forderten dringende Reformen. Ihre Erkenntnisse zeigen, wie der wachsende Druck durch Krisen, Kriege und den Klimawandel die Hilfsbemühungen zunehmend belastet.

Mathias Mogge, Generalsekretär der Welthungerhilfe, und Joshua Hofert, Generalsekretär von Terre des Hommes, leiteten die Präsentation. Sie betonten, dass humanitäre Hilfe künftig Qualität vor Quantität stellen und Bürokratie abbauen müsse, um besser mit lokalen Akteuren zusammenzuarbeiten. Mogge unterstrich die Notwendigkeit einer bedarfsorientierten, neutralen und unabhängigen Hilfe, die nicht an politische oder wirtschaftliche Interessen geknüpft sein dürfe.

Die Organisationen forderten eine deutliche Aufstockung der Mittel für humanitäre Hilfe. Sie riefen die Bundesregierung auf, den Etat im nächsten Haushalt von einer Milliarde auf 2,8 Milliarden Euro zu erhöhen. Mogge hob zudem hervor, wie wichtig es sei, Gelder nicht nur für akute Nothilfe, sondern auch für präventive Maßnahmen bereitzustellen.

Hofert warnte davor, dass Reformen der Entwicklungszusammenarbeit nicht allein von Berlin aus gesteuert werden dürften. Er bestand darauf, dass Partnerländer, lokale Zivilgesellschaft und junge Menschen eine verbindliche Rolle bei der Gestaltung der Politik erhalten müssten. Die NGOs begrüßten zwar die Neuausrichtung der Entwicklungspolitik durch die Regierung, kritisierten jedoch, dass die aktuellen Reformpläne weder eine kohärente Strategie noch eine ausreichende Einbindung der Zivilgesellschaft erkennen ließen.

Der Bericht thematisierte auch die wirtschaftliche Zusammenarbeit und stellte klar, dass diese nur erfolgreich sein könne, wenn sie mit lokalen Akteuren abgestimmt werde. Er räumte ein, dass es Spannungen zwischen den Interessen Deutschlands und denen der Partnerländer gebe, die für eine effektive Zusammenarbeit überwunden werden müssten. Seit 2022 hat die Bundesregierung den Etat für Entwicklungszusammenarbeit um ein Drittel gekürzt – weitere Kürzungen sind bis 2027 zu erwarten.

Die Organisationen haben klare Forderungen nach Reformen und einer höheren Finanzierung vorgelegt. Ihr Bericht plädiert für einen inklusiveren und strategischeren Ansatz in der Entwicklungspolitik. Ohne diese Veränderungen, so ihre Warnung, werde die Wirksamkeit der deutschen Hilfe weiter abnehmen.

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