Heuers Schultergriff an AfD-Kandidaten entfacht Berliner Politikstreit
Jonas HofmannHeuers Schultergriff an AfD-Kandidaten entfacht Berliner Politikstreit
Ein aktuelles Foto von CDU-Chef Guido Heuer und dem AfD-Kandidaten Ulrich Siegmund hat in Berlin eine hitzige Debatte ausgelöst. Die Aufnahme, die eine freundschaftliche Geste zwischen den beiden zeigt, sorgt quer durch das politische Spektrum für scharfe Reaktionen.
Der Streit begann, als Heuer Siegmund während einer Podiumsdiskussion die Hand auf die Schulter legte. Ein Mikrofonproblem hatte die beiden Männer dazu veranlasst, sich zueinander zu beugen – eine Szene, die wie ein entspannter, kollegialer Austausch wirkte. Das Foto verbreitete sich rasant und wurde zum Symbol für einen Bruch des langjährigen politischen „Quarantäne“-Kurses gegenüber der AfD.
Die Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten. Eva von Angern von der Linken verurteilte die Aufnahme mit den Worten, die Hand eines Demokraten gehöre „niemals auf die Schulter eines AfD-Mitglieds“. ZDF-Moderator Markus Lanz hingegen kritisierte die demonstrative Ächtung von AfD-Vertretern durch andere Politiker und nannte dieses Verhalten „aufgesetzt“.
Die CDU verteidigte das Foto zunächst und entschuldigte sich dafür. Angesichts der aktuellen Umfragewerte der AfD von 29 Prozent – neun Punkte vor der CDU – scheint der Druck, sich abzugrenzen, jedoch nachzulassen. Die politische Brandmauer in Berlin bröckelt, ihr vollständiger Einsturz erscheint unausweichlich. In Sachsen-Anhalt liegt die AfD bei der anstehenden Landtagswahl am 6. September sogar in Reichweite einer absoluten Mehrheit.
Das Foto offenbart tiefe Gräben in der Frage, wie mit der AfD umgegangen werden soll. Der wachsende Zuspruch für die Partei deutet darauf hin, dass sich die traditionellen politischen Grenzen verschieben. Die Zeit automatischer Entschuldigungen für den Umgang mit AfD-Mitgliedern scheint vorbei.






