Hettich-Mitarbeiter verzichten freiwillig auf 1.000 Euro Lohnerhöhung pro Jahr
Theo MayerHettich-Mitarbeiter verzichten freiwillig auf 1.000 Euro Lohnerhöhung pro Jahr
Tausende Beschäftigte des Möbelzulieferers Hettich haben sich bereit erklärt, eine geplante Gehaltserhöhung zu verschieben. Die Entscheidung folgt auf einen Vorschlag des Unternehmens, die Erhöhung um ein Jahr aufzuschieben – begründet mit finanziellen Schwierigkeiten. Mehr als 90 Prozent der rund 2.000 betroffenen Mitarbeiter stimmten dem Angebot zu, obwohl sie in den kommenden zwölf Monaten jeweils über 1.000 Euro weniger erhalten werden.
Die Lohnerhöhung, ursprünglich für den 1. April vorgesehen, war Teil einer Tarifvereinbarung mit der Gewerkschaft IG Metall. Darin war eine Steigerung der Löhne um 3,1 Prozent festgelegt worden. Hettich argumentierte jedoch, dass die wirtschaftliche Lage die Umsetzung der Erhöhung derzeit unmöglich mache.
Die deutsche Möbelbranche leidet seit Jahren unter Belastungen. Zwischen 2021 und 2026 trieb die hohe Inflation den Verbraucherpreisindex um etwa 23 Prozent in die Höhe, was die Materialkosten erhöhte und die Nachfrage der Verbraucher dämpfte. Unternehmen des Sektors, darunter auch Hettich, kämpfen mit Produktionsrückgängen und Schuldenlasten. So verzeichnete etwa Homann Holzwerkstoffe 2025 Druck auf das EBITDA – bedingt durch Probleme in seinem litauischen Werk und vorzeitige Anleihenrückzahlungen.
Hettich betont, transparent gehandelt und den Mitarbeitern eine echte Wahlmöglichkeit gegeben zu haben. Durch die Verschiebung spare das Unternehmen mehrere Millionen Euro ein. Die IG Metall kritisiert den Schritt hingegen scharf und wirft Hettich vor, die Belegschaft unter Druck gesetzt zu haben.
Da mindestens 90 Prozent der Beschäftigten der Aufschubregelung zustimmten, tritt die Gehaltserhöhung nun erst im April 2025 in Kraft – statt wie ursprünglich geplant in diesem Jahr. Jeder Mitarbeiter verzichtet in dieser Zeit auf mehr als 1.000 Euro.
Die Entscheidung, die Lohnerhöhung zu verschieben, entlastet Hettich finanziell, schmälert jedoch das Nettoeinkommen der Belegschaft. Die Beschäftigten müssen nun bis zum nächsten Jahr auf die vereinbarten 3,1 Prozent warten. Der Fall zeigt die anhaltenden Herausforderungen in der Möbelbranche, wo Unternehmen und Arbeitnehmer gleichermaßen mit wirtschaftlichen Belastungen ringen.






