Hamburgs Erbschaftssteuer-Einnahmen steigen – doch das System steht in der Kritik
Jonas HofmannHamburg sammelt trotz weniger Fälle mehr Erbschaftsteuer ein - Hamburgs Erbschaftssteuer-Einnahmen steigen – doch das System steht in der Kritik
Hamburg verzeichnet steigende Nachrichten aus Erbschafts- und Schenkungsteuer-Einnahmen – trotz rückläufiger Fallzahlen
Trotz weniger bearbeiteter Fälle steigen in Hamburg die Einnahmen aus Erbschafts- und Schenkungsteuern kontinuierlich. 2024 nahm die Stadt rund 532 Millionen Euro ein – ein Anstieg gegenüber den knapp 509 Millionen Euro des Vorjahres. Kritiker fragen nun, ob das aktuelle Steuersystem die Superreichen ungerecht begünstigt, da die Steuersätze für die größten Vermögen sinken, während kleinere Erbschaften höher belastet werden.
Nach geltendem Recht werden Erbschaften zwischen 100.000 und 200.000 Euro mit durchschnittlich 13 Prozent besteuert. Dagegen liegt der Satz für Vermögen über 20 Millionen Euro bei nur 8 Prozent. Diese Ungleichbehandlung steht in der Kritik – das Bundesverfassungsgericht prüft derzeit, ob die Begünstigung großer Erbschaften gegen den Grundsatz der Steuergerechtigkeit verstößt.
Der Haushaltsexperte der Linken, David Stoop, sieht in den steigenden Steuereinnahmen ein Zeichen tiefer Vermögensungleichheit. Eine kleine Gruppe von Erben häufte demnach riesige Vermögen an, während sie von großzügigen Freibeträgen profitiere. Seine Äußerungen folgen auf die jüngsten Nachrichten Hamburgs: Allein im ersten Halbjahr 2025 nahm die Stadt über 323 Millionen Euro aus rund 19.500 Erbschafts- und Schenkungsteuerfällen ein.
Die rot-grüne Koalition in Hamburg hat Signal für eine Reform der Steuervergünstigungen für Spitzenvermögen gegeben. Die Pläne orientieren sich an Empfehlungen des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. Konkrete Maßnahmen zur Besteuerung von Immobilien oder Unternehmensvermögen stehen jedoch noch aus. Ein älterer Vorstoß aus dem Jahr 2016, getragen von SPD-geführten Bundesländern, zielte darauf ab, über den Bundesrat eine bundesweite Vermögenssteuer wieder einzuführen – doch aktuelle hamburgspezifische Initiativen gibt es nicht.
Während die Debatte über die Gerechtigkeit der Erbschaftsteuer an Fahrt gewinnt und das Verfassungsgericht die Begünstigungen großer Vermögen prüft, wächst der Druck auf eine Reform. Mögliche Änderungen könnten in den kommenden Jahren die Besteuerung der wohlhabendsten Hamburger grundlegend verändern.






