Gewalt gegen Bahnmitarbeiter eskaliert: Warum Zweier-Teams abgelehnt wurden
Clara HartmannGewalt gegen Bahnmitarbeiter eskaliert: Warum Zweier-Teams abgelehnt wurden
Gewalt gegen Bahnmitarbeiter nimmt dramatisch zu – Forderungen nach mehr Sicherheit
In den letzten Jahren hat die Gewalt gegen Bahnangestellte stark zugenommen und ruft nach schärferen Sicherheitsvorkehrungen. Nach einem tödlichen Angriff auf einen Zugbegleiter im Februar 2026 fordern Gewerkschaften verpflichtende Zweier-Teams in Zügen. Die Verkehrsminister lehnten den Vorschlag jedoch ab und setzen stattdessen auf regionale Lösungen.
Im Februar 2026 starb ein 36-jähriger Zugbegleiter in Rheinland-Pfalz, nachdem er von einem Schwarzfahrer wiederholt mit Schlägen gegen den Kopf attackiert worden war. Der Vorfall reiht sich in eine besorgniserregende Entwicklung ein: Allein 2025 gab es über 3.000 Angriffe auf Bahnmitarbeiter, darunter durchschnittlich fünf körperliche Übergriffe pro Tag in den ersten zehn Monaten. Die Bundespolizei verzeichnete im selben Jahr 1.192 Gewaltdelikte gegen Personal in Regional- und Nahverkehrszügen.
Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) reagierte mit der Forderung nach Zweier-Teams als Standard-Sicherheitsmaßnahme. EVG-Chef Martin Burkert warnte, dass die Gewalt gegen Beschäftigte im Frontbereich ohne Gegenmaßnahmen weiter steigen werde. Andere Gewerkschaften unterstützten den Appell und argumentierten, dass doppelt besetzte Züge die Sicherheit erhöhen würden.
Die Verkehrsministerkonferenz wies den Vorschlag jedoch zurück und sprach sich für flexible Personaleinsätze nach regionalem Bedarf aus. Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder kündigte an, dass die Bundesregierung bis Ende April die bestehenden Sicherheitsvorkehrungen überprüfen werde. Die Deutsche Bahn hat unterdessen bereits Körperkameras für Mitarbeiter eingeführt und die Ausweiskontrollen für Fahrkartenprüfer ausgesetzt.
Schnieder äußerte sich auch zu Finanzierungsfragen und betonte, dass die Bundesregierung im Rahmen des bewilligten Haushalts handle. Gespräche über die Verbesserung der Bahnhofsüberwachung mit den zuständigen Behörden laufen noch. Zwar begrüßten die Minister die neuen Sicherheitsmaßnahmen der Deutschen Bahn, wiesen aber auf die zusätzliche finanzielle Belastung hin, die diese mit sich bringen.
Mit der Ablehnung der Zweier-Teams bleiben der Deutschen Bahn und den Verkehrsbehörden nur regionale Personalanpassungen und neue Sicherheitstechnologien. Angesichts der anhaltend hohen Gewalt gegen Bahnmitarbeiter wird die Wirksamkeit dieser Maßnahmen genau beobachtet. Schnieders Überprüfung im April wird zeigen, ob weitere Änderungen notwendig sind.






