Gericht kippt Pornografie-Sperren: Warum Deutschland gegen EU-Recht verstieß
Jonas HofmannGericht hebt Sperrbefehle gegen Pornoplattformen aufgrund EU-Recht auf - Gericht kippt Pornografie-Sperren: Warum Deutschland gegen EU-Recht verstieß
Ein deutsches Gericht hat Sperranordnungen gegen mehrere Pornografie-Websites aufgehoben. Das Verwaltungsgericht Neustadt an der Weinstraße urteilte, dass den Beschränkungen eine ausreichende rechtliche Grundlage fehle. Die Entscheidung folgt auf Klagen eines Internetanbieters und der Betreiber der betroffenen Plattformen.
Im Mittelpunkt des Falls steht ein Streit über EU-Recht und die Befugnis Deutschlands, Inhaltsverbote gegen im Ausland ansässige Dienste durchzusetzen.
Im April 2024 hatte die Landesmedienanstalt Rheinland-Pfalz Internetprovider angewiesen, den Zugang zu bestimmten pornografischen Seiten – darunter Pornhub und Xvideos – zu blockieren. Die Behörde begründete dies damit, dass diese Plattformen gegen den deutschen Jugendmedienschutz-Staatsvertrag (JMStV) verstießen, da sie keine Alterskontrollsysteme implementiert hätten.
Das Gericht kam jedoch zu dem Schluss, dass die Sperranordnungen gegen das EU-Herkunftslandprinzip verstoßen. Demzufolge müssen digitale Dienstleister nur die Gesetze des EU-Mitgliedstaats einhalten, in dem sie niedergelassen sind. Die Richter wiesen zudem darauf hin, dass die Europäische Kommission bereits 2025 ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland wegen desselben Sachverhalts eingeleitet hatte.
Am 10. Februar 2026 teilte die Kommission Deutschland offiziell ihre Bedenken mit und erklärte, die Sperranordnungen verstießen gegen die Regeln des Binnenmarkts sowie die Richtlinie über audiovisuelle Mediendienste. Das Gericht entschied darüber hinaus, dass der Landesmedienanstalt Rheinland-Pfalz untersagt ist, gegen eine der Plattformen vorzugehen, solange das EU-Verfahren läuft.
Die Entscheidung bedeutet, dass die gesperrten Websites in Deutschland nun wieder zugänglich sind. Der Fall unterstreicht die Spannungen zwischen nationalen Inhaltsregulierungen und den EU-weiten Vorschriften für digitale Dienste. Das laufende Verfahren der Europäischen Kommission gegen Deutschland könnte weitere rechtliche und politische Folgen nach sich ziehen.






