GDL-Chef Reißen nennt Deutsche Bahn eine "Geldwäschemaschine" – und fordert radikale Reformen
Jonas HofmannGDL-Chef Reißen nennt Deutsche Bahn eine "Geldwäschemaschine" – und fordert radikale Reformen
Die Deutsche Bahn (DB) steht wegen ihrer undurchsichtigen Finanzstrukturen massiv in der Kritik. Mario Reißen, Chef der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL), bezeichnete das Unternehmen in einem Interview mit "Tagesspiegel Background Verkehr & Smart Mobility" als eine "Geldwäschemaschine".
Reißen warf der DB vor, hunderte Tochtergesellschaften zu nutzen, um Geldflüsse zu verschleiern und Steuergelder abzusichern. Intern würden Dienstleistungen zwischen den eigenen Einheiten abgerechnet, was unnötige Komplexität schaffe. Auf ihrem Höhepunkt verfügte die DB über mehr als 1.000 Tochterfirmen – mittlerweile ist die Zahl auf knapp unter 600 gesunken.
Zwar übt Reißen scharfe Kritik an der früheren Unternehmensführung, lobt aber die jüngsten Reformbemühungen von Vorstandschefin Evelyn Palla. Er unterstützt ihre Entscheidung, die oberste Führungsebene zu halbieren und Manager wie Sigrid Nikutta sowie Finanzvorständin Karin Dohm zu entlassen. Dohms Berufung sei jedoch von Anfang an fehlerhaft gewesen, da sie für die Position nicht qualifiziert gewesen sei.
Gleichzeitig warnte Reißen, dass Dohms Einsatz zu weiterer finanzieller Fehlsteuerung und zusätzlichen Belastungen für die Steuerzahler führen könnte. Dennoch räumte er ein, dass Pallas Reformen – etwa die Verbesserung des Fernverkehrs und der betrieblichen Effizienz – Schritte in die richtige Richtung seien. Er forderte sie auf, noch mutiger im Kerngeschäft der Bahn zu handeln.
Seine Äußerungen unterstreichen die anhaltenden Bedenken hinsichtlich Transparenz und Rechenschaftspflicht bei der DB, insbesondere beim Umgang mit öffentlichen Geldern.
Die Kritik des Gewerkschaftschefs erhöht den Druck auf die DB, ihre Finanzstrukturen zu vereinfachen. Mit weniger Tochtergesellschaften und laufenden Führungswechseln wachsen die Forderungen nach tiefgreifenderen Reformen. Reißens Aussagen deuten darauf hin, dass die Finanzpraxis und Unternehmensführung der DB künftig noch stärker unter die Lupe genommen werden.






