Fürstenbergs Charme weckt neues Interesse in Brandenburgs schrumpfender Region
Luisa HartmannFürstenbergs Charme weckt neues Interesse in Brandenburgs schrumpfender Region
Fürstenberg, ein historisches Städtchen in Brandenburg, thront auf einem steilen Hügel mit verwinkelten Gassen und einer markanten Silhouette. Sein Altstadtkern, der bis ins Jahr 1250 zurückreicht, bildet einen scharfen Kontrast zu den modernen Problemen Eisenhüttenstadts, der größeren Kommune, die Fürstenberg 1961 eingemeindete. Während die Region seit Jahrzehnten mit Bevölkerungsrückgang kämpft, versuchen lokale Initiativen nun, neues Interesse an der Gegend zu wecken.
Das Herzstück des Städtchens ist das neorenaissancezeitliche Rathaus, das 1900 fertiggestellt wurde und Besucher bereits am Bahnhof empfängt. In unmittelbarer Nähe erhebt sich die imposante Nikolaikirche über die steilen Straßen und gewährt einen Einblick in Fürstenbergs mittelalterliche Vergangenheit. Diese malerische Kulisse hebt sich in Brandenburg wohltuend ab – nur wenige Orte in der Region haben ihren historischen Charme so bewahrt.
Eisenhüttenstadt, einst als Stalinstadt bekannt, erlebt seit der deutschen Wiedervereinigung einen stetigen Exodus. Mehr als die Hälfte der Einwohner ist weggezogen – ein Schicksal, das viele ländliche Gebiete Ostdeutschlands teilen. Das EKO-Stahlwerk, einst ein wichtiger Arbeitgeber, bietet heute nur noch 2.500 Jobs an, nach 12.000 vor 1990, und selbst diese sind unsicher. Um dem Niedergang entgegenzuwirken, startete die Stadt im vergangenen Jahr ein „Probewohnen“-Programm. Zwei Gästewohnungen an der Lindenallee zogen 2.000 Bewerbungen an – ein unerwartet großes Interesse. In diesem Jahr wird das Projekt auf vier Wohnungen in Fürstenbergs sanierten Beamtenhäusern an der Fellertstraße ausgeweitet. Die städtische Wohnungsgesellschaft Gebäudewirtschaft Gewi hat bereits 46 Wohnungen in der Gegend modernisiert. Die Mieten in Fürstenbergs Altstadt liegen nun bei durchschnittlich 10 Euro pro Quadratmeter, höher als in Eisenhüttenstadts Kernvierteln, wo sie bei 6,50 Euro liegen. Trotz der höheren Kosten zeigt das „Probewohnen“, dass einige bereit sind, der Region eine Chance zu geben.
Fürstenbergs historischer Reiz und Eisenhüttenstadts „Probewohnen“-Initiative sind kleine, aber greifbare Antworten auf den langjährigen Schwund. Mit saniertem Wohnraum und neuem Interesse hofft die Region, den Bevölkerungsrückgang zu bremsen. Doch die größeren Herausforderungen – schrumpfende Industrien und anhaltende Abwanderung – bleiben ungelöst.






