Erweiterung der Deutschen Nationalbibliothek Leipzig überraschend gestoppt – was nun?
Luisa HartmannKein Erweiterungsgebäude für die Deutsche Nationalbibliothek - Erweiterung der Deutschen Nationalbibliothek Leipzig überraschend gestoppt – was nun?
Pläne für Erweiterung der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig gestoppt
Bundesbeauftragter für Kultur, Wolfram Weimer, hat die geplante Erweiterung der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig abgesagt. Die Entscheidung fällt trotz jahrelanger Vorbereitungen und dringenden Bedarfs an zusätzlichem Lagerraum. Bibliotheksvertreter warnen, dass der aktuelle Standort nahezu ausgelastet ist – die Kapazitätsgrenzen für die Zukunft bereiten Sorgen.
Die Bibliothek verzeichnet täglich rund 13.100 Neuerscheinungen, davon 3.300 in physischer Form und 9.800 digital. Die Lagerflächen in Leipzig sind erschöpft, sodass bereits Bücher in den zweiten Standort der Bibliothek nach Frankfurt ausgelagert werden müssen. Die nun gestrichene Erweiterung sollte langfristig Platz für die wachsende Sammlung deutscher Bücher und Medien schaffen.
Stattdessen schlägt der Kulturstaatsminister Änderungen beim Pflichtexemplarrecht vor. Bisher müssen Verlage zwei physische Exemplare jeder Veröffentlichung abliefern – Weimer will dies auf ein Exemplar reduzieren, vorzugsweise in digitaler Form. Seit Oktober 2024 schreibt die Digitale Quellenpflicht vor, dass Verlage digitale Werke wie E-Books, Websites oder Apps innerhalb eines Monats nach Veröffentlichung an die Bibliothek übermitteln müssen. Die Umsetzung basiert bisher auf freiwilliger Kooperation; bis März 2026 gab es keine größeren rechtlichen Auseinandersetzungen.
Bibliotheksvertreter kritisieren die Entscheidung scharf und betonen, dass der zusätzliche Raum unverzichtbar gewesen wäre. Rund sieben Millionen Euro waren bereits in die Planung der nun verworfenen Erweiterung geflossen.
Die Absage der Leipziger Erweiterung verschärft die anhaltenden Platzprobleme der Bibliothek. Verlage dürften unter den geänderten Pflichtexemplar-Regeln weiteren Druck verspüren, auf digitale Abgaben umzustellen. Weimers Plan zielt darauf ab, die Lageranforderungen langfristig durch weniger physische Exemplare zu entlasten.