"Energyfish"-Turbinen schwimmen nun im Rhein – Test für sauberen Flussstrom beginnt
Luisa Hartmann"Energyfish"-Turbinen schwimmen nun im Rhein – Test für sauberen Flussstrom beginnt
Ein neuer Typ schwimmender hydrokinetischer Turbinen namens „Energyfish“ wird nun im großen Maßstab auf dem Rhein getestet. Die erste große Ansammlung dieser Geräte wird derzeit in St. Goar in Deutschland installiert. Jede Einheit ist darauf ausgelegt, Strom aus Fließgewässern zu erzeugen – ganz ohne Staudämme oder aufwendige Bauarbeiten.
Der „Energyfish“ des Unternehmens Energyminer ist eine kompakte Turbine mit Abmessungen von etwa 2,8 Metern Länge, 2,4 Metern Breite und 1,4 Metern Höhe. Mit einem Gewicht von rund 80 Kilogramm kann sie bis zu 6 Kilowatt Leistung erzeugen. Laut Herstellerangaben produziert jede Einheit jährlich etwa 15 Megawattstunden; ein Schwarm aus 100 Turbinen käme somit auf rund 1,5 Gigawattstunden pro Jahr.
Die erste große Installation umfasst 124 Turbinen in St. Goar und bildet damit den bisher größten Schwarm dieser Art. Selbst in diesem Umfang bleibt die Gesamtleistung bescheiden: Sie liegt im Bereich weniger hundert Kilowatt und nicht im zweistelligen Megawattbereich. Die angegebenen Stromgestehungskosten betragen etwa 8 Cent pro Kilowattstunde, bei einer erwarteten durchschnittlichen Jahresrendite von mindestens 8 Prozent über eine Nutzungsdauer von 20 Jahren.
Energyminer betont, dass die Turbinen bei jedem Wetter und zu jeder Jahreszeit kontinuierlich arbeiten können, Hochwasser standhalten und Grundlaststrom liefern. Die Installation sei zügig möglich: Zehn Einheiten ließen sich demnach in etwa drei Tagen einsetzen, sofern die Genehmigungen vorliegen. Betonfundamente oder Staudämme sind nicht erforderlich – die Anlage wird direkt im Fluss verankert und speist den erzeugten Strom ans Ufer ein.
Allerdings sind Flüsse keine zuverlässig planbaren Energiequellen: Die Fließgeschwindigkeit schwankt je nach Jahreszeit, Hochwasser kann Treibgut mit sich führen, das die Leistung beeinträchtigen könnte, und niedrige Wasserstände reduzieren die Stromerzeugung. Um die Herstellerangaben zu überprüfen, werden unabhängige Daten zu monatlicher Produktion, Ausfallzeiten, Wartungskosten und den tatsächlichen Stromgestehungskosten pro Kilowattstunde benötigt.
Das Projekt in St. Goar markiert den ersten Großtest des Energyfish-Schwarmkonzepts. Sollte es erfolgreich verlaufen, könnte es eine umweltschonende Methode bieten, um die Energie von Flüssen zu nutzen. Über die langfristige Machbarkeit wird letztlich die Praxis entscheiden – also die tatsächliche Leistung und die Wirtschaftlichkeit unter Realbedingungen.
