Energiekrise in Deutschland: Soll Russland wieder Öl und Gas liefern?
Clara HartmannBSW-Vorsitzende: Russisches Pipeline-Öl für PCK Schwedt erneut - Energiekrise in Deutschland: Soll Russland wieder Öl und Gas liefern?
Die Energiekrise in Deutschland hat sich seit dem Stopp der russischen Gaslieferungen im Jahr 2022 weiter verschärft. Angesichts explodierender Preise und kämpfender Industrien mehren sich die Forderungen, die Importe aus Russland wiederzubeleben. Amira Mohamed Ali, Vorsitzende des Bündnisses Sahra Wagenknecht (BSW), fordert nun die Rückkehr zu russischem Pipeline-Öl und -Gas, um die Belastung für deutsche Unternehmen und Haushalte zu verringern.
Im Mittelpunkt der Debatte steht die PCK-Raffinerie in Schwedt, die einst vollständig von russischem Öl abhängig war. Eine vorübergehende Lockerung der US-Sanktionen gegen russisches Öl hat der Diskussion zusätzliche Dringlichkeit verliehen – doch die Ausnahmegenehmigung läuft bald aus.
Die PCK-Raffinerie in Brandenburg verarbeitete früher ausschließlich russisches Öl aus der Druschba-Pipeline. Nach dem 2023 verhängten Lieferstopp im Zusammenhang mit dem Ukraine-Krieg musste sie jedoch nach Alternativen suchen. Das Werk versorgt Berlin, Teile Ostdeutschlands und sogar Westpolen – darunter den Flughafen Berlin Brandenburg – mit Treibstoff, Heizöl und Kerosin.
Seit Mitte 2022 fließt kein russisches Gas mehr durch Nord Stream 1, und Nord Stream 2 nahm nie den Betrieb auf. Deutschland setzte stattdessen auf Flüssiggas-Importe aus den USA, Norwegen und Westeuropa, baute neue Terminals und griff auf Lagerbestände zurück. Dennoch bleiben die Preise aufgrund knapper LNG-Lieferungen, geopolitischer Spannungen und Pipeline-Schäden hoch.
Amira Mohamed Ali fordert nun, dass russisches Gas wieder durch Nord Stream strömen soll. Sie argumentiert, dass die hohen Energiepreise die deutsche Industrie an den Rand des Kollapses treiben. Ihre Partei, die BSW, will zudem russisches Öl für die PCK-Raffinerie zurückholen, um die Versorgung zu stabilisieren.
Die USA haben kürzlich die Sanktionen gelockert und ermöglichen es Ländern, russisches Öl, das sich bereits auf dem Transportweg befindet, bis zum 11. April zu kaufen. Doch ohne langfristige Lösung bleibt Deutschlands Energiesicherheit – und die Zukunft von Anlagen wie PCK – ungewiss.
Die vorübergehende Sanktionen-Erleichterung der USA verschafft Käufern russischen Öls kurzfristig Luft. Doch ohne dauerhafte Regelung bleiben Raffinerien und Industrien in Deutschland weiter Risiken ausgesetzt. Die Debatte über die Wiederbelebung russischer Energieimporte wird voraussichtlich an Schärfe gewinnen, je näher der Stichtag 11. April rückt.