Deutschland wird zum Netto-Stromimporteur – und hängt an Frankreichs Atomkraft
Clara HartmannDeutschland wird zum Netto-Stromimporteur – und hängt an Frankreichs Atomkraft
Deutschlands Abhängigkeit von Stromimporten steigt stark an
Seit der Abschaltung der letzten Atomkraftwerke hat sich Deutschlands Abhängigkeit von importiertem Strom deutlich erhöht. Das Land importiert inzwischen mehr Strom, als es exportiert – mit Frankreich als neuem Hauptlieferanten. Atomstrom aus dem Nachbarland spielt dabei eine zentrale Rolle, um die Versorgungslücke zu schließen.
Nach der Stilllegung der letzten deutschen Kernreaktoren entwickelte sich die Bundesrepublik zum Netto-Stromimporteur. Zwischen 2023 und 2024 stiegen die Importe um 23,2 Prozent, während die Exporte im selben Zeitraum um 10 Prozent zurückgingen. 2025 erholten sich die Ausfuhren zwar um 22 Prozent, doch die Abhängigkeit von ausländischem Strom bleibt hoch.
Frankreich hat sich als größter Lieferant von Atomstrom für Deutschland etabliert. 2025 erreichten die Importe aus französischen Kernkraftwerken 9,5 Terrawattstunden (TWh) – ein beträchtlicher Anteil der gesamten deutschen Stromimporte. Allein in den letzten vier Monaten des Jahres stieg die Menge auf 3,9 TWh. Insgesamt stammten 14,3 TWh des importierten Stroms aus Kernenergie, mehr als aus jeder anderen Quelle.
Die französische Atomkapazität liegt stabil bei etwa 61 Gigawatt (GW), ohne nennenswerte Steigerungen durch neue Projekte. Zwar wurden 2022 Pläne für sechs neue Reaktoren – mit Option auf acht weitere – angekündigt, doch mit dem Bau wurde noch nicht begonnen. Bestehende Meiler sollen stattdessen bis zu 50 oder 60 Jahre laufen, um die Produktion aufrechtzuerhalten. Der erste Neubau in Penly wird frühestens 2034–2035 ans Netz gehen, während der fast fertiggestellte Block Flamanville 3 mit 1.650 Megawatt (MW) 2025 in Betrieb genommen werden soll.
Deutschland ist damit zunehmend auf französischen Atomstrom angewiesen, um seinen Energiebedarf zu decken. Da in Frankreich kurzfristig keine Kapazitätserweiterungen geplant sind, werden die bestehenden Kraftwerke vorerst einen großen Teil der deutschen Importe abdecken. Die Entwicklung unterstreicht die veränderten Dynamiken im europäischen Stromhandel seit dem deutschen Atomausstieg.






