Deutsche fordern härteres Vorgehen gegen hybride Bedrohungen – doch Vertrauen in Institutionen schwindet
Clara HartmannDeutsche fordern härteres Vorgehen gegen hybride Bedrohungen – doch Vertrauen in Institutionen schwindet
Immer mehr Deutsche fordern entschlossenes staatliches Handeln gegen hybride Bedrohungen. Diese Gefahren verbinden Cyberangriffe, Sabotage und Desinformation – und schüren zunehmend öffentliche Besorgnis. Aktuelle Umfragen zeigen eine breite Unterstützung für erweiterte Überwachungsbefugnisse, staatlich geführte Aufklärungskampagnen und sogar militärische Gegenangriffe im Cyberraum.
Doch trotz dieser Sorgen zweifeln viele daran, ob zentrale Institutionen auf solche Bedrohungen angemessen reagieren können.
Die Angst vor hybriden Gefahren hat laut einer Bitkom-Umfrage vom 12. März 2026 stark zugenommen. Drei von vier Bundesbürgern befürworten erweiterte staatliche Überwachungsmaßnahmen zur Abwehr dieser Risiken. Mehr als 60 Prozent fordern zudem, dass die Bundesregierung Angreifer öffentlich benennt, während 47 Prozent militärische Cyber-Gegenschläge unterstützen.
Das Vertrauen in Informationsquellen fällt sehr unterschiedlich aus. Öffentlich-rechtliche Sender genießen mit 82 Prozent die höchste Glaubwürdigkeit, gefolgt von privaten TV- und Radiosendern (77 Prozent). Auch Behörden (64 Prozent) und überregionale Medien (63 Prozent) schneiden noch gut ab. Selbst politisch positionierte Quellen behalten eine gewisse Akzeptanz: 34 Prozent vertrauen rechtseingestellten Plattformen, 33 Prozent linkseingestellten. Sozialen Medien und YouTube schenken zwar nur vier von zehn Bürgern Glauben – doch sie werden dennoch häufig genutzt.
Die Zuversicht in die Vorbereitung auf solche Szenarien bleibt jedoch gering. Nur etwas mehr als die Hälfte hält die Polizei für gerüstet, weniger als die Hälfte vertraut der Bundeswehr. Noch schlechter schneiden das Gesundheitswesen (38 Prozent), die öffentliche Verwaltung (37 Prozent) und die Wirtschaft (36 Prozent) ab. Lediglich ein Drittel glaubt, dass die Bevölkerung selbst auf hybride Bedrohungen vorbereitet ist. Eine Mehrheit von 57 Prozent fordert nun höhere Investitionen in die deutsche Sicherheitsarchitektur.
Die Regierung hat bisher vor allem mit neuen Gesetzen reagiert – nicht mit praktischen Übungen. Der Bundesrat verabschiedete am 6. März 2026 das KRITIS-Dachgesetz, um kritische Infrastrukturen zu stärken. Ein Entwurf für ein Cyberverteidigungsgesetz soll zudem die digitale Resilienz erhöhen. Doch obwohl 45 Prozent der Bevölkerung bundesweite Notfallübungen befürworten, wurden diese bisher nicht umgesetzt.
Die Umfrage offenbart eine deutliche Lücke zwischen öffentlichen Erwartungen und der aktuellen Politik. Zwar gibt es gesetzgeberische Fortschritte, doch Forderungen nach mehr Transparenz, Investitionen und praktischer Vorbereitung bleiben unerfüllt. Da jeder dritte Deutsche schwere Cyberangriffe auf NATO-Partner mit militärischen Angriffen gleichsetzt, wird der Druck auf die Politik für entschlossenes Handeln voraussichtlich weiter wachsen.