Bundestag beschließt umstrittenes Infrastruktur-Beschleunigungsgesetz mit 500-Milliarden-Fonds
Clara HartmannBundestag beschließt umstrittenes Infrastruktur-Beschleunigungsgesetz mit 500-Milliarden-Fonds
Der Bundestag hat ein neues Beschleunigungsgesetz verabschiedet, das Großprojekte im Straßen-, Schienen- und Wasserwegsbau vorantreiben soll. Das Gesetz zielt darauf ab, Verzögerungen bei der Infrastrukturentwicklung zu verringern, die aus einem mit Schulden finanzierten Sondervermögen in Höhe von 500 Milliarden Euro finanziert wird. Bevor es in Kraft treten kann, bedarf es noch der endgültigen Zustimmung des Bundesrates.
Verkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) verteidigte das Gesetz und betonte, es werde kritische Infrastrukturprojekte vor Verzögerungen bewahren und Genehmigungsverfahren straffen. Ein zentraler Punkt sieht vor, dass bestimmte Vorhaben als „von höchstem öffentlichen Interesse und öffentlicher Sicherheit“ eingestuft werden können, was schnellere Genehmigungen ermöglicht. Zudem werden zahlreiche verfahrensrechtliche, planerische und umweltrechtliche Vorschriften angepasst, um die Umsetzung zu beschleunigen.
Die verkehrspolitische Sprecherin der Grünen, Swantje Henrike Michaelsen, kritisierte den Schritt scharf und warf der Regierung vor, unter dem Deckmantel der Beschleunigung „Umweltschutzstandards auszuhalten“. Der AfD-Abgeordnete Ulrich von Zons äußerte Bedenken hinsichtlich möglicher Enteignungen und behauptete, das Gesetz schaffe keine faire Interessenabwägung mehr. Der Linken-Politiker Jorrit Bosch argumentierte, das eigentliche Problem liege in unterbesetzten Behörden: „Wer schneller planen will, braucht Leute, die planen.“
Das Gesetz geht nun an den Bundesrat zur finalen Abstimmung. Bei einer Verabschiedung würde es den zügigeren Fortschritt zentraler Infrastrukturprojekte ermöglichen. Die Auswirkungen auf Umweltschutzauflagen und verfahrensrechtliche Fairness bleiben jedoch unter den Abgeordneten umstritten.
