Buchhandlung Golden Shop wegen Punk-Zitat vom Deutschen Buchhandlungspreis ausgeschlossen
Clara Hartmann"Deutschland, verrecke" - Bremer Buchhandlung in der Kritik - Buchhandlung Golden Shop wegen Punk-Zitat vom Deutschen Buchhandlungspreis ausgeschlossen
Die Bremer Buchhandlung Golden Shop wurde in diesem Jahr vom Deutschen Buchhandlungspreis ausgeschlossen, nachdem Kulturminister Wolfram Weimer sie – zusammen mit zwei weiteren linksgerichteten Buchläden – von der Shortlist gestrichen hatte. Der Entscheidung war Kritik an einem Spruch an der Fassaden des Ladens vorausgegangen: "Deutschland verrecke bitte" – eine Zeile, die von der Punkband Slime entlehnt ist. Weimer begründete dies mit Bedenken im Hinblick auf den Schutz der verfassungsmäßigen Ordnung.
Die Maßnahme löste Empörung aus, es gab Forderungen nach Weimers Rücktritt sowie Vorwürfe, er unterdrücke die künstlerische Freiheit. Kurz darauf wurde die Buchhandlung zum Ziel von Protesten, was schließlich zur vollständigen Absage der Preisverleihung führte.
Der umstrittene Spruch ist Teil einer Kunstcollage an der Außenwand des Golden Shop, die Zitate aus Literatur, Musik und Film versammelt – darunter auch Passagen der Autoren Karl Kraus und Marshall McLuhan. Die Anwältin des Ladens, Lea Voigt, argumentierte, es handele sich um ein direktes Zitat aus Slimes Song Deutschland von 1981, dessen Text bereits gerichtlich verteidigt worden sei.
1996 urteilte das Bundesverfassungsgericht, dass die Zeile künstlerischen Wert besitze, und zog Vergleiche zu Heinrich Heines Gedicht Die schlesischen Weber von 1844. Beide Werke, so das Gericht, drückten extreme Verzweiflung über Unterdrückung aus – Heines Weber verfluchten im 19. Jahrhundert ihre Heimat, Slimes Punkprotest richtete sich gegen moderne gesellschaftliche Zwänge. Gemäß Artikel 5 des Grundgesetzes wurde der Spruch als politische Dichtung und nicht als Hassrede eingestuft und damit unter den Schutz der Meinungsfreiheit gestellt.
Weimer blieb bei seiner Entscheidung und betonte, der steuerfinanzierte Preis "dürfe nicht an Staatsfeinde" gehen. Kritiker warfen ihm hingegen vor, in böser Absicht zu handeln und die Kontroverse zu nutzen, um abweichende Meinungen zum Schweigen zu bringen. Die Gegenreaktion war so heftig, dass die Preisverleihung abgesagt wurde; die Preisträger erhielten ihre Auszeichnungen stattdessen direkt.
Der Streit endet damit, dass der Golden Shop leer ausgeht und die Feier entfällt. Während Weimer seine Haltung mit verfassungsrechtlichen Bedenken begründet, stützt sich die Gegenseite auf die rechtliche Anerkennung des künstlerischen Werts des Spruchs. Der Konflikt zeigt die anhaltenden Spannungen um Meinungsfreiheit, staatliche Förderung und die Grenzen politischer Äußerungen in Deutschland auf.