Bremens skurriles Eiswetten-Spektakel: Warum der Schneider immer scheitert
Jonas HofmannWette auf den Kohl - Ist die Weser zugefroren? - Bremens skurriles Eiswetten-Spektakel: Warum der Schneider immer scheitert
Jeden Januar findet in Bremen eine skurrile Tradition statt, die bis ins Jahr 1829 zurückreicht. Damals wetteten achtzehn Kaufleute darüber, ob die Weser bis Anfang Januar zugefroren sein würde. Heute zieht das Ereignis Scharen von Zuschauern an – eine Mischung aus Spektakel, Wohltätigkeit und einem deftigen Mahl aus Grünkohl und Pinkel.
Alles begann mit einer Wette unter Händlern über den Eiszustand des Flusses. Um die Tragfähigkeit des Eises zu prüfen, versucht ein als Schneider verkleideter Schauspieler, die Weser mit einem glühenden Bügeleisen zu überqueren. Ist das Eis fest genug, geht er zu Fuß; wenn nicht, nimmt er stattdessen ein Boot.
Der Schneider muss exakt 45 Kilogramm wiegen, um für die Aufgabe zugelassen zu werden. Doch seit 1947 ist der Fluss nie mehr so stark zugefroren, dass eine Überquerung zu Fuß möglich gewesen wäre. Das Ergebnis ist stets dasselbe – doch der Brauch bleibt beliebt. Jährlich am dritten Samstag im Januar, mittags um zwölf Uhr, beginnt das Spektakel am Osterdeich. Dort warten das Eiswetten-Komitee und die "Drei Weisen" auf den Schneider. Später versammeln sich rund 800 Gäste im Congress Centrum zu einem Festmahl. Die Strafe für die Verlierer? Ein gemeinsames Essen aus Grünkohl und Pinkel. Die Wette wird seit ihrem Beginn fast jedes Jahr erneuert. Zudem kommen Spenden für die Seenotrettung zusammen – eine wohltätige Note in dieser alten Tradition.
Obwohl die Weser kaum noch zufriert, bringt der Brauch die Menschen Jahr für Jahr zusammen. Das Ereignis verbindet Geschichte, Humor und Gemeinschaftsgeist. Und jedes Mal, wenn der Schneider scheitert, schreibt Bremen ein weiteres Kapitel seiner ungewöhnlichen Winterfeier.






