Berlin verzeichnet Rekordzahl an Einbürgerungen – doch die Behörden kommen nicht hinterher
Jonas HofmannBerlin verzeichnet Rekordzahl an Einbürgerungen – doch die Behörden kommen nicht hinterher
Berlin verzeichnete 2024 und 2025 einen deutlichen Anstieg bei Einbürgerungsanträgen und -genehmigungen. Bis Mitte Dezember 2025 hatte die Stadt 37.877 Migrantinnen und Migranten die deutsche Staatsbürgerschaft verliehen – fast doppelt so viele wie im Vorjahr. Gleichzeitig nahmen rechtliche Auseinandersetzungen wegen Verzögerungen bei der Bearbeitung stark zu: Allein 2025 wurden über 1.000 Klagen eingereicht.
Im Jahr 2024 hatte Berlin 21.811 Personen eingebürgert, doch die Zahlen stiegen im Folgejahr rasant an. Dieser Anstieg folgte auf eine Reform des Staatsangehörigkeitsrechts im Juni 2024, die die Voraussetzungen für viele Antragstellende vereinfachte. Bis Ende 2025 rechnete das Berliner Landesamt für Einwanderung – mittlerweile die zentrale Behörde für Einbürgerungen – damit, für das gesamte Jahr zwischen 39.000 und 39.500 Fälle zu bearbeiten.
Der starke Anstieg der Anträge führte jedoch auch zu wachsender Unzufriedenheit über Wartezeiten. Gerichte verzeichneten bis November 2025 insgesamt 1.997 neue Klageverfahren im Zusammenhang mit Einbürgerungen, davon 1.039 gegen untätige Verwaltungsstellen. Zudem blieben 1.683 Anträge aus dem Jahr 2024 abgelehnt, während zahlreiche weitere noch auf eine Entscheidung warteten. Bundesweit lösten ähnliche Rückstaus eine Welle von Rechtsstreitigkeiten aus. Diskussionen über verschärfte Asylregeln und Familienzusammenführungsbestimmungen trieben Migrantinnen und Migranten zusätzlich dazu, schneller die Staatsbürgerschaft zu erlangen – was den Druck auf ein ohnehin überlastetes System weiter erhöhte.
Die Reformen von 2024 beschleunigten zwar die Einbürgerungen, legten aber auch Engpässe bei der Bearbeitung offen. Mit Zehntausenden neu Eingebürgerten im Jahr 2025 spiegeln Berlins Zahlen einen bundesweiten Trend wider. Doch die steigende Anzahl an Klagen zeigt, wie sehr die Behörden weiterhin damit kämpfen, mit der Nachfrage Schritt zu halten.






