09 March 2026, 10:10

Berlin testet umstrittene KI-Überwachung an Regierungsgebäuden – ohne öffentliche Debatte

Zwei Überwachungskameras an der Seite eines Gebäudes montiert, mit einer Glaswand im Vordergrund und einem klaren blauen Himmel im Hintergrund.

AI-Überwachungstest im Rathaus und Parlament - Berlin testet umstrittene KI-Überwachung an Regierungsgebäuden – ohne öffentliche Debatte

Berlin testet KI-gestützte Videoüberwachung an Regierungssitzen – Kritik an mangelnder Transparenz

Berlin bereitet einen Testlauf für KI-basierte Videoüberwachung in der Nähe zentraler Regierungsgebäude vor, darunter das Rote Rathaus und das Abgeordnetenhaus. Die Behörden argumentieren, das System solle verdächtige Aktivitäten erkennen und die Belastung für das überlastete Sicherheitspersonal verringern. Kritiker werfen der Initiative jedoch vor, es fehle an Transparenz und einer angemessenen parlamentarischen Debatte.

Während der Testphase wird KI Live-Aufnahmen von Kameras rund um politische Einrichtungen analysieren und ungewöhnliches Verhalten melden – etwa unbefugtes Betreten oder längeres Verweilen in Sperrzonen. Die Verantwortlichen betonen, dass keine biometrischen Daten oder persönlichen Identitäten gespeichert würden; alle Aufnahmen sollen anonymisiert werden. Die Technologie wird als Lösung präsentiert, um die Abhängigkeit von den derzeit 400 zusätzlichen Kräften zu verringern, die die Sicherheitsteams unterstützen – eine Situation, die als "nicht dauerhaft tragbar" beschrieben wird.

Der Polizeichef verteidigte das Vorhaben und erklärte, KI könne Infrastruktur und Hochrisikobereiche effizienter schützen. Bisher wurden jedoch keine technischen Details zu den Algorithmen oder den konkreten Erkennungskriterien veröffentlicht. Frühere Versuche, wie der gescheiterte Test am Bahnhof Südkreuz, waren wegen hoher Fehlerquoten in die Kritik geraten – darunter Fehlalarme und mangelnde Anpassungsfähigkeit an reale Gegebenheiten.

Niklas Schrader, Abgeordnete der Linken, verurteilte das Fehlen einer parlamentarischen Befassung. Er bezeichnete den Test als Eingriff in die Rechte von Abgeordneten und Besuchern und forderte eine umfassende Debatte vor der Umsetzung. Unabhängige Experten, darunter der Chaos Computer Club, warnten zudem vor der Unzuverlässigkeit des Systems und verwiesen auf Probleme wie KI-"Halluzinationen" und die fehlende Nachvollziehbarkeit von Entscheidungsprozessen.

Trotz Bedenken hinsichtlich Transparenz und früherer Misserfolge wird der Test wie geplant durchgeführt. Bei Erfolg könnte das System auf weitere hochsensible Standorte in Berlin ausgeweitet werden. Vorerst bleibt eine menschliche Kontrolle jedoch Pflicht, um KI-generierte Warnungen zu überprüfen.

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