Bergkirchweih in Erlangen: Warum verbotene Lieder für Zündstoff sorgen
Erlangens traditionelles Bergkirchweih-Volksfest steht wegen der Musikauswahl in der Kritik. Der Stadtrat hat Lieder verboten, die als „gruppenbezogen menschenfeindlich“ oder sexistisch eingestuft werden. Gastwirte und Künstler wehren sich nun gegen die neuen Vorschriften.
Der Streit begann bereits 2021, als der Stadtrat – unterstützt von CSU, Linken und SPD – beschloss, Lieder mit beleidigenden Inhalten auf dem Fest zu ächten. In diesem Jahr erstellte die Verwaltung eine Liste „frauenfeindlicher“ und „sexistischer“ Partyhits, darunter Titel wie „Skandal im Sperrbezirk“ oder Peter Wackels „Joana“. Auslöser war die Beschwerde einer Frau, die angab, auf dem Fest von aggressiven Männern begrapscht worden zu sein und sich durch die gespielte Musik unwohl gefühlt zu haben.
Gastwirte kritisieren die Richtlinien und fragen sich, wie sie diese in der Praxis durchsetzen sollen. Gleichzeitig protestieren Künstler gegen die Einschränkungen. Peter Wackel, dessen Lied „Joana“ auf der Verbotsliste steht, behauptet, viele Musiker hätten aufgrund der zunehmenden Zensur „keine Lust mehr“, in Deutschland aufzutreten. Jürgen Thurnau, Frontmann der Spider Murphy Gang, ging noch weiter und verglich die Situation mit der DDR. Selbst das SED-Regime habe von seiner Band nie verlangt, Songtexte zu zensieren, so Thurnau.
Das Fest, das jährlich fast eine Million Besucher anzieht, ist damit zum Schauplatz einer Debatte über künstlerische Freiheit und öffentliche Sicherheit geworden. Die Entscheidung der Stadt stößt bei Gastwirten und Musikern auf Widerstand. Kurz vor Beginn der Bergkirchweih bleibt unklar, wie die neuen Regeln umgesetzt werden sollen. Das Ergebnis könnte nicht nur die künftigen Feste in Erlangen prägen, sondern auch darüber hinaus Wirkung zeigen.






