Ärztemangel in Niedersachsen: Patienten fahren 80 Kilometer für einen Termin
Luisa Hartmann"Bauchschmerzen" - Wo der Arztmangel in Niedersachsen frustriert - Ärztemangel in Niedersachsen: Patienten fahren 80 Kilometer für einen Termin
Patienten in ländlichen Regionen kämpfen mit Ärztemangel – weite Wege und monatelange Wartezeiten
In ländlichen Regionen Niedersachsens wird es für Patienten immer schwieriger, einen Arzt zu finden. Viele müssen mittlerweile bis zu 80 Kilometer zu Terminen fahren, andere warten monatelang auf grundlegende Behandlungen. Die Krise trifft besonders kleine Gemeinden wie Bunde, wo im nächsten Jahr nur noch ein einziger Hausarzt übrig sein wird.
In Bunde hat der Allgemeinmediziner Holger Plochg seit seinem Berufsstart 1997 einen dreifach höheren Patientenandrang erlebt. Ohne zusätzliches Personal bewältigt er heute eine Arbeitslast, für die früher drei Ärzte nötig waren. Ab Oktober 2025 geht auch der zweite Hausarzt des Ortes in Rente – dann bleibt für die gesamte Gemeinde nur noch ein Arzt.
Doch das Problem beschränkt sich nicht auf Bunde. Allein im Dezember des vergangenen Jahres waren in Niedersachsen 447 Stellen für Hausärzte unbesetzt, besonders betroffen sind ländliche Landkreise. Der Dermatologe Bernd Brinker aus Weener behandelt Patienten, die bis zu 80 Kilometer anreisen, weil in ihren Heimatregionen Fachärzte fehlen.
Experten führen den Mangel darauf zurück, dass junge Mediziner Städte den ländlichen Praxen vorziehen. Niedersachsen bietet bereits die wenigsten Medizinstudienplätze pro Einwohner – nur Bremen und Brandenburg liegen noch dahinter. Dr. Plochg warnt, dass Deutschland 4.000 bis 5.000 zusätzliche Ausbildungsplätze braucht, um den Bedarf zu decken.
Die Landesregierung hat mit einem Zehn-Punkte-Plan reagiert, darunter eine Landarztquote und 80 neue Studienplätze in diesem Jahr. Doch Dr. Plochg betont, dass die Reformen schneller umgesetzt werden müssen, um einen weiteren Kollaps der ländlichen Gesundheitsversorgung zu verhindern.
Ohne dringendes Handeln werden Patienten auf dem Land auch künftig weitere Anfahrtswege und verzögerte Behandlungen in Kauf nehmen müssen. Die neuen Maßnahmen des Landes sollen die Situation entlasten, doch Ärzte wie Plochg fordern mehr Studienplätze und zügigere Reformen. Bis dahin müssen sich Orte wie Bunde auf noch weniger medizinische Versorgung im nächsten Jahr einstellen.






