ARD verlängert die Tagesschau – kann mehr Zeit mehr Zuschauer bringen?
Clara HartmannARD verlängert die Tagesschau – kann mehr Zeit mehr Zuschauer bringen?
Die ARD testet eine längere Version ihrer Hauptnachrichtensendung Tagesschau zur Hauptsendezeit. Beginnend mit der Montagabend-Ausgabe um 20:15 Uhr wird die Sendung künftig 30 Minuten statt der üblichen 15 Minuten dauern. Mit dem Schritt sollen mehr Zuschauer gewonnen und das Vertrauen in die Medien gestärkt werden.
Kritiker hinterfragen jedoch bereits, ob die Änderung notwendig oder überhaupt wirksam ist. Der Versuch folgt einer Initiative von Jörg Schönenborn, Programmdirektor des WDR, der die Nachrichten alltagsrelevanter gestalten möchte. Er beschrieb das erweiterte Format als Möglichkeit, globale Ereignisse mit persönlichen Erfahrungen zu verknüpfen. Schönenborn betonte zudem, dass es sich nicht um ein einmaliges Experiment handle, sondern um Teil einer umfassenderen Strategie.
Befürworter argumentieren, dass eine längere Sendedauer den Zuschauern mehr Informationen und ein stärkeres Gefühl der Repräsentation vermittelt. Die ARD hofft, damit größere Zuschauerzahlen zu erreichen und das Vertrauen in den Journalismus zu festigen. Dennoch bleibt ungewiss, ob der Test dauerhaft übernommen wird – eine endgültige Entscheidung steht noch aus.
Kritik kommt von mehreren Medienbeobachtern. Michael Hanfeld, Medienredakteur der FAZ, hält 15 Minuten für ausreichend und warnt vor Störungen im ARD-Abendprogramm. Aurelie von Blazekovic von der Süddeutschen Zeitung stellt infrage, ob die Jagd nach Alltagsrelevanz der richtige Ansatz sei. Anna Mayr von der Zeit geht noch weiter und behauptet, das eigentliche Problem der Tagesschau liege nicht in der Länge, sondern in der Qualität.
Die verlängerte Tagesschau bietet den Zuschauern mehr Tiefe, verlangt ihnen aber auch mehr Zeit ab. Die ARD wird die Auswirkungen evaluieren, bevor über dauerhafte Änderungen entschieden wird. Bis dahin läuft der Versuch weiter – ohne klare Daten, wie sich die Einschaltquoten im Vergleich zum ursprünglichen Format entwickeln.






