ARD und ZDF vernachlässigen Wirtschaftsthemen in Talkshows – Kritik an einseitiger Gästeverteilung
Jonas HofmannARD und ZDF vernachlässigen Wirtschaftsthemen in Talkshows – Kritik an einseitiger Gästeverteilung
Eine neue Analyse zeigt, dass die öffentlichen Rundfunkanstalten ARD und ZDF in ihren Talkshows wirtschaftspolitischen Themen weniger Sendezeit einräumen. Die Studie, die Formate wie Markus Lanz, Maybrit Illner und hart aber fair untersuchte, belegt einen Rückgang der Wirtschaftsdebatten: Nur noch 20 Prozent der Folgen widmeten sich 2025 diesem Bereich – gegenüber 33 Prozent im Jahr 2023. Kritiker monieren, dass diese Vernachlässigung gerade in einer Phase wirtschaftlicher Herausforderungen für Deutschland problematisch sei.
Für die Erhebung wurden 284 Folgen von ARD und ZDF aus dem Jahr 2025 ausgewertet. Davon behandelten lediglich 56 Sendungen wirtschaftspolitische Themen, wobei nicht in allen Fällen aktuelle Regierungsdaten oder Statistiken herangezogen wurden. In fast einem Drittel dieser Ausgaben kam kein Vertreter aus der Wirtschaft zu Wort.
Die Gästeverteilung war deutlich zugunsten von Politikern (41 Prozent), Journalisten (27 Prozent) und Ökonomen (14 Prozent) verschoben. Unternehmer waren mit nur 5 Prozent vertreten, Vertreter von Wirtschaftsverbänden machten gerade einmal 2 Prozent aus. Besonders auffällig: Bei Maischberger fehlten in 80 Prozent der wirtschaftsbezogenen Sendungen Stimmen aus der Wirtschaft völlig. Demgegenüber widmete hart aber fair 39 Prozent seiner Ausgaben wirtschaftlichen Themen – und bezog dabei stets Gäste aus der Wirtschaft ein.
Thorsten Alsleben, Geschäftsführer der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM), warf den Sendern vor, ihrem öffentlichen Auftrag nicht gerecht zu werden. Er argumentierte, dass die Ausblendung von Wirtschaftsvertretern in einer Phase des Abschwungs ein umfassendes Verständnis der Lage verhindere. Alsleben forderte, künftig mehr Unternehmer und Branchenexperten einzubinden, um wirtschaftliche Probleme effektiv anzugehen.
Die Ergebnisse verdeutlichen eine Verschiebung der inhaltlichen Schwerpunkte in den großen Talkformaten – weg von Wirtschaftsdebatten. Da Vertreter der Wirtschaft unterrepräsentiert sind, stützen sich Diskussionen über Wirtschaftspolitik zunehmend auf Politiker, Journalisten und Wissenschaftler. Die Kritik der INSM legt nahe, dass künftig eine breitere Perspektivenvielfalt in der Programmgestaltung notwendig ist.






