Antisemitismus-Eklat bei Stefan Raab: Warum RTL den Sketch mit Gil Ofarim löschte
Jonas HofmannAntisemitismus-Eklat bei Stefan Raab: Warum RTL den Sketch mit Gil Ofarim löschte
Eine umstrittene Sketch-Nummer in der Stefan Raab Show hat die Debatte über Antisemitismus in der deutschen Unterhaltungsbranche neu entfacht. Die Szene mit dem Sänger Gil Ofarim enthielt beleidigende Klischees und löste eine Welle der Kritik aus. RTL nahm die Folge später von seiner Streaming-Plattform, doch der Vorfall wirft weiterhin Fragen nach der Verantwortung im Reality-TV auf.
Die Kontroverse kommt zu einem Zeitpunkt, an dem RTL mit sinkenden Einschaltquoten kämpft – der Sender hatte Raabs Shows 2024 wiederbelebt, doch der Erfolg blieb aus. Trotz des Backlashs scheinen weder das Netzwerk noch Raab langfristige Konsequenzen zu fürchten.
Der Vorfall ereignete sich in einer Sonderausgabe der Stefan Raab Show, in der Gil Ofarim mit antisemitischen Stereotypen dargestellt wurde. Der Sketch spielte auf ein angebliches "Schwindler-Gen" an, das von "Onkel Samuel" stamme, und verhöhnte seine Beliebtheit "vor allem in der jüdischen Community". Zuschauer:innen und Kritiker:innen verurteilten die Szene umgehend, woraufhin RTL die gesamte Folge aus dem Streaming-Angebot entfernte.
Für Ofarim ist dies nicht der erste Eklat. 2021 stand er wegen falscher Antisemitismus-Vorwürfe gegen eine Leipziger Hotelmitarbeiterin vor Gericht – das Verfahren endete mit einer Verurteilung wegen Verleumdung und Betrugs. Seine Teilnahme an Ich bin ein Star – Holt mich hier raus! 2023 befeuerte die Online-Debatten weiter, viele hinterfragten RTLs Urteilsvermögen.
Die Art und Weise, wie der Sender mit dem Skandal umgeht, spiegelt ein größeres Problem im Reality-TV wider: Persönliche Enthüllungen und provokante Inhalte verdrängen oft ethische Bedenken. Zwar wies RTL die Antisemitismus-Vorwürfe zurück, doch die Stellungnahme blieb in der Öffentlichkeit largely unbeachtet. Derweil schüren solche Vorfälle auf Social Media schädliche Klischees und tragen zur Exotisierung jüdischer Menschen in Deutschland bei.
Die Kontroverse trifft RTL in einer Phase schwindender Zuschauerzahlen. Die Rückkehr Stefan Raabs im September 2024 mit Du gewinnst hier nicht die Million weckte zunächst Hoffnung, enttäuschte dann aber in den Quoten. Die Show wurde 2025 eingestellt und durch Die Stefan Raab Show ersetzt – die ebenfalls in der Primetime floppte. Ab Februar 2026 verlegte RTL die Ausstrahlung auf einen Spätabend-Termin: Dienstags um 22:00 Uhr auf RTL+ und donnerstags um 23:15 Uhr im linearen Programm. Aktuelle Berichte über die Show erwähnen die früheren Skandale nicht, sondern konzentrieren sich auf den bescheidenen Erfolg nach den Dschungelcamp-Sondersendungen Anfang des Monats.
Die Folgen des antisemitischen Sketches haben weder RTL noch Stefan Raabs Karriere nachhaltig beschädigt. Der Sender passt weiterhin seine Programmstrategie an, während die öffentliche Aufmerksamkeit längst anderen Themen gilt. Der Vorfall bleibt vorerst eine Fußnote in einer längeren Reihe ethischer Verfehlungen des Reality-TVs – eine Entwicklung, die Kritiker:innen als Normalisierung schädlicher Stereotype ohne echte Konsequenzen anprangern.






